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"Wir arbeiten in Strukturen von Gestern mit Methoden von heute an Strategien für Morgen vorwiegend mit Menschen, die die Strukturen von gestern geschaffen haben und das Übermorgen in der Unternehmung nicht mehr erleben werden"  Knut Bleicher

Prof. (emer.) Dr. Dres. h.c. Knut Bleicher †

Geboren am 22.4.1929

Gestorben am 13.1.2017

Studierte Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin. Assistententätigkeit am Institut für Industrieforschung bei Prof. Dr. Dr.h.c. mult. Erich Kosiol.

1955 Promotion zum Dr. rer. pol. 1956/57 als Faculty Associate an der Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia/USA. Übernahme von Aufgaben im internationalen Geschäft der Pharmaindustrie. 1964 Habilitation für Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin mit anschliessender Tätigkeit als Privatdozent.

1966-1984 o. Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Justus-Liebig Universität Giessen: Fachgebiete: Unternehmensführung – Organisation – Personalwesen. Daneben 1970-1985 Hauptschriftleiter der „zfo“-Zeitschrift Führung + Organisation. Visiting Professor for International Management an verschiedenen amerikanischen Universitäten (Indiana University, Carnegie-Mellon- University). Seit 1982 Direktor des International Business Forum der Indiana University.

Wechsel nach St.Gallen

1984 Wechsel in die Schweiz aufgrund der Berufung als Nachfolger von Prof. Dr. Dres.h.c. Hans Ulrich, der mit seinem systemtheoretischen Gedankengut Knuts Arbeiten bereits in Gießen wesentlich beeinflusst hatte. Hier wurde Knut zugleich Präsident der Geschäftsleitenden Ausschüsse der Institute für Betriebswirtschaft (IfB), für Personalmanagement (IFPM) und des neu gegründeten Instituts für Technologiemanagement (ITEM), das er in dessen Gründungsphase mit Unterstützung von Ferdinand Ruesch und Werner Gächter bis in politische Gremien hinein gegen manchen HSG-Widerstand konzeptionell und realisierend begleitet hatte. In dieser Zeit erfolgte basierend auf dem ulrichschen Gedankengut die Entwicklung eines Gestaltungsmodells der Integration, das St. Galler Konzept Integriertes Management. Daran beteiligt waren die Kollegen Hans Siegwart, Robert Staerkle, Emil Brauchlin und Cuno Pümpin sowie die jüngeren sich habilitierenden Mitarbeiter Gilbert Probst, Peter Gomez und Markus Schwaninger. Knut war klar, dass er während der zehn Jahre, die ihm bis zu seiner Emeritierung in St. Gallen verbleiben würden, einen markanten Beitrag zur Weiterentwicklung des systemtheoretischen St. Galler Gedankenguts zu leisten hätte, schwergewichtig zugunsten praktischer Verwertbarkeit. Er erkannte schnell, dass der beste Weg hierzu die Verdichtung von aus der amerikanischen Managementlehre herauswachsenden neueren Ansätzen mit praktischen Erfahrungen sein sollte, dies nach neuem Konzept, das die ulrichschen Leitideen und systemischen Grundlagen einbeziehen müsste. Bevor das Thema zum heutigen Trend wurde, befasste sich Knut auch mit Corporate Governance und führte eine breit angelegte empirische Untersuchung der Corporate Governance Strukturen in den USA und Europa (DFG-Projekt) durch.

Emeritierung und Weiterwirken

Nach der Emeritierung im Jahre 1994 unterstützte Knut weiterhin Vorstände verschiedener Unternehmungen und begleitete zahlreiche Veränderungsprozesse grosser internationaler Firmen. Ehrungen 1995 seitens einer der „Top Ten Business Schools“ in den USA, der Indiana University, durch Verleihung des Doctor of Laws h.c., 1997 durch die Universität GH Siegen des Doktors der Wirtschaftswissenschaften h.c. Gastvorlesungen an der Universität Stuttgart, der Technischen Universität München, der Universitad Alcala de Henares in Spanien, der Führungsakademie St. Petersburg und der Akademie der Wirtschaft beim Ministerrat der UdSSR.

Im Rahmen von Vorlesungen, Lehrgängen und Vorträgen an renommierten Universitäten oder bei bekannten Corporate Universities verbreitete er weiterhin das Gedankengut des St. Galler Managementkonzeptes und pflegte intensiv seine Kontakte zu Praktikern, Wissenschaftlern, Doktoranden und Studenten.

Die höchst konstruktive, freundschaftliche und kollegiale Zeit an der Universität St. Gallen zählte er rückblickend zu den schönsten Zeiten in seiner beruflichen Laufbahn. Diese wirkten nach. So bestanden bis an sein Lebensende nach wie vor enge Kontakte zu noch Tätigen sowie Ehemaligen der HSG und auch sein Mitwirken an der St. Galler Business School bedeutete für alle Seiten großen Zugewinn.

St. Galler Business School

An der privatrechtlich organisierten St. Galler Business School (SGBS) war Knut Beiratsvorsitzender und Wissenschaftlicher Leiter. Diese Funktionen übernahm er einerseits aufgrund des freundschaftlichen Verhältnisses zu Dr. Christian Abegglen, welcher die SGBS aus ihren Anfängen als Spin-off-ähnliches Gebilde aus der HSG heraus zu einer der renommiertesten Anbieterinnen von Management Education im deutschen Sprachraum entwickelt hatte, andererseits, weil sich ihm dadurch neue und fruchtbare Möglichkeiten boten. Denn in diesem privatwirtschaftlich ausgerichteten und höchst konstruktiven, resultatorientierten Umfeld konnte er sein geschaffenes Konzept auch nach seiner Emeritierung mit Kollegen weiter ausbauen, es vor allem auch einer neuen jungen Generation von Wissenschaftlern und Managern zugänglich machen, sein Wissen weitergeben und so ein Gegengewicht zu vielfach vorherrschenden, eher ein dimensionalen und gegenläufigen Entwicklungen in der Managementlehre legen.

Entsprechend konzentrierte sich Knut auf die Weiterentwicklung des St. Galler Managementkonzeptes hin zu den besonderen Anforderungen des quartären Sektors in einer emergenten Wissensgesellschaft. Die vielfältigen, sozusagen universalen Einsatzmöglichkeiten des Konzeptes aus dem St. Galler Management Valley sollten vermehrt international erkannt werden.

Zahlreiche Seminare, Veranstaltungen, Beiratstagungen und der jährliche Managementkongress der St. Galler Business School sowie zahlreiche innerbetriebliche Firmenveranstaltungen trugen dazu bei.

St. Galler Gesellschaft für Integriertes Management

Im Rahmen der St. Galler Gesellschaft für Integriertes Management (GIMSG) engagierte sich Knut ab 2002 als Direktor zudem aktiv in verschiedenen Forschungsprojekten zur Weiterentwicklung einer integrierten Managementlehre und befasste sich, zusammen mit Kollegen, mit Fragen des Managements in einer Wissensgesellschaft, der Unternehmungsentwicklung (Corporate Dynamics) und des Lernens durch Unternehmungssimulationen. Diese von Christian Abegglen initiierte, gemeinnützige GIMSG hat das Ziel, mit praxisnahen Publikationen, Forschungsberichten und einer jährlich stattfindenden Wissenschaftswoche das Gedankengut eines ganzheitlich-integrierten Managements auf der Basis bleicherscher Ansätze verbreitend auszubauen.

So wird sicher gestellt, dass sich das von Knut Bleicher und seinen Kollegen an der Universität St. Gallen entwickelte Konzept auch in Zukunft als eine der tragenden Säulen des St. Galler Management-Verständnisses behaupten wird und der Bedeutung eines wegweisenden Standards in der deutschen Managementlehre gerecht bleibt. Diese Intention hat offensichtlich ihre besondere Berechtigung angesichts von Anstrengungen für eine aus Sicht der scientific community anscheinend eher reduktionsorientierten «Weiterentwicklung» des ursprünglichen St. Galler Modells.

Entsprechend 2004 folgte die 7. Auflage des Werkes "Konzept Integriertes Management" im Campus Verlag und ab 2005 Erscheinungsbeginn der "Meilensteine eines Integrierten Managements" (6 Bände).

Zahlreiche Beiträge in Fachzeitschriften und Publikationen zeugten in diesen Jahren von Knuts nach wie vor unermüdlichen Interesse und dem großen Engagement für die St. Galler Lehre, obwohl er aus Altersgründen den Beiratsvorsitz 2008 an Bettina Würth, Beiratsvorsitzende der Würth Gruppe, übergab. Die wissenschaftliche Leitung der MBA Lehrgänge ging an Prof. Dr. Robert Neumann über.

Drittes Ehrendoktorat für Knut Bleicher

Sommer 2008: Ehrendoktorwürde der Wirtschaftsuniversität Krakau (Uniwersytet ekonomiczny w krakowie) mit welcher die St. Galler Business School seit 2006 gemeinsam  MBA-Programme durchführt. Die 1924 gegründete Universität in Krakau, deren Wurzeln in der «Krakauer Akademie», einer der ältesten Universitäten in Europa, zu finden sind, gehört zur drittältesten Hochschule in Polen. Deren Senat würdigte das Schaffen und Lebenswerk Knut Bleichers in Anerkennung einerseits seiner herausragenden wissenschaftlichen Beiträge zur Managementlehre und andererseits der Ausgestaltung es «European Multicultural Integrated Management Program», eines MBA-Programms, welches im Rahmen einer schon seit mehreren Jahren bestehenden Zusammenarbeit der Cracow University of Economics mit der St. Galler Business School (SGBS) begründet wurde. Der Rektor der Universität, Professor Dr. Ryszard Borowiecki, betonte in seiner Ansprache den richtungsweisenden Einfluss Bleichers auf die Managementlehre und die wissenschaftliche Fundierung eines Integrierten Managements. Im Anschluss erhielt Dr. Christian Abegglen, den Krakauer Stadtschlüssel für die Kooperation der SGBS mit der Cracow University of Economics und den Grundstein zum «European Multicultural Integrated Management Program».

Knut Bleicher lebte von nun an in Hamburg, wobei er sich auf die Weiterführung der St. Galler Ansätze konzentrierte. Zudem trieb er nach wie vor Forschungsprojekte zum Thema «Integriertes Management» voran und arbeitete an der Aktualisierung seines Konzeptes zusammen mit Kollegen (2011 8. Auflage des Werkes "Konzept Integriertes Management").

2013 übergab Knut Bleicher Christian Abegglen die Schriftleitung und Verantwortung zur wissenschaftlichen und praktischen Weiterführung und Weiterverwertung des Konzept Integriertes Management. Ziel ist, das umfangreiche Werk Knut Bleicher zu erhalten, gleichzeitig mit Neuem zu verbinden, zu modifizieren, neu anzuwenden und dadurch sicherzustellen, dass das profunde wissenschaftliche Gedankengut in die nächste Generation getragen werden kann.

Vor diesem Hintergrund ist aktuell die Überarbeitung des Konzept Integriertes Management im Gange, welches als Ergebnis des Jubiläums – 25 Jahre Konzept Integriertes Management – im Juli 2017 publiziert wird.

Am 13. Januar 2017 verstarb Knut Bleicher im Beisein seiner Familie.