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Management Valley St. Gallen

 

Die zwischen den beiden Hügelzügen Rosenberg und Freudenberg eingebettete Stadt St. Gallen war bis zum ersten Weltkrieg das Zentrum der weltweiten Stickereiindustrie und mit 18% der Exporte eine wesentliche Säule der damaligen Schweizer Volkswirtschaft. Im Zuge des Wachstums von Wirtschaft und Stadt durch den Stickereiboom wurde am 25. Mai 1898 im Grossen Rat des Kantons St. Gallen die Gründung der damaligen Handelsakademie (später Handelshochschule, Hochschule St. Gallen und heutige Universität St. Gallen) beschlossen.

Prof. Dr. Hans Ulrich, als Gründer des St. Galler Instituts für Betriebswirtschaft (IfB) treibende Kraft der Entwicklung der Handelshochschule zur Hochschule und späteren Universität St. Gallen, setzte sich in seinen Forschungsarbeiten und Überlegungen intensiv mit den Anforderungen einer modernen Managementlehre auseinander. Als Professor 1954 nach St. Gallen berufen, erkannte er frühzeitig den Stellenwert einer ganzheitlichen, integrierten Unternehmensführung als Unterscheidungsmerkmal erfolgreicher von nicht erfolgreichen Unternehmen. Dabei war es sein erklärtes Ziel für Studenten und Führungskräfte pragmatische Orientierungs- und Anwendungshilfen zu entwickeln, welche nicht als Rezepte zu verstehen sind, sondern Denklandkarten und Navigationsinstrumenten bieten, welche Manager helfen, bessere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen und damit das Unternehmen auch in unsicheren Zeiten besser führen zu können.

Das von ihm und seinen Mitstreitern entwickelte „St. Galler Management Modell“, erstmalig 1968 in seinem Werk „Das Unternehmen als produktives soziales System“ beschrieben, bot einen solchen Bezugsrahmen, welcher mehrdimensionale Führung ermöglicht. Die Idee, in Systemen zu denken, aus Wirtschaftsobjekten dynamisch agierende Subjekte, eingebunden in eine vielschichtige Umwelt, zu machen, war im damaligen Managementverständnis revolutionär. Diese Integration von Systemtheorie und Kybernetik (Kybernetikos – altgriechisch für steuermännisch) in die klassische Betriebswirtschaft ermöglichte einen neuen Weg der Komplexitätsbewältigung: Anstatt dass auf jede messbare Unwucht im Unternehmen mit einem Werkzeug aus dem allgegenwärtigen Standard-Instrumentenkasten der klassischen Betriebswirtschafts- und Managementlehre gezielt und singulär reagiert wird, erfasst Ulrichs „St. Galler Management Modell“ die Komplexität des sozialen Systems „Unternehmung“, weist den einzelnen Anspruchsgruppen Rollen zu und erkennt die Verflechtung mit der Aussenwelt. Dies ist das oft zitierte ganzheitliche Vorgehen der St. Galler Schule. Die multidimensionale Vorgehensweise bietet einen konzeptionellen Gestaltungsrahmen, ein „Leerstellengerüst für Sinnvolles“ (Prof. Ulrich), mit dem Führungskräfte dank besserer Kenntnisse der Gesamtzusammenhänge Probleme selbst identifizieren und lösen können.

Die Weiterentwicklung

Ulrichs Nachfolger in St. Gallen, Professor Knut Bleicher, führte die Arbeiten am Denken in Systemen (oder Ganzheiten, wie es Ulrich nannte) fort und vertiefte den St. Galler Ansatz 1991 in seinem Standardwerk „Das Konzept Integriertes Management“. Knut Bleicher verfolgte damit die Zielsetzung über das St. Galler Management Modell von Ulrich hinaus den Führungskräften von heute ein Konzept als Leitplanke für ihre Überlegungen an die Hand zu geben, um wesentliche Probleme des Managements strukturiert durchdenken und zu einem integrativen Gesamtkonzept zusammenfügen zu können. Insbesondere im heutigen globalen Umfeld und der damit verbundenen Komplexität im Unternehmen in seiner Abhängigkeit von globalen Veränderungen nimmt die Zahl der Parameter, die in ihrer Dependenz über Erfolg und Misserfolg entscheiden zu. Ein einzelner Mensch ist, zumal in grösseren Unternehmen, nicht mehr imstande, diese interaktive Vielfalt aufzunehmen und zu bewältigen. Welche Stellschrauben aber erlauben zumindest die Verflechtungen des sozialen Systems „Unternehmen“ zu entwirren und zu beeinflussen zeigt Bleicher in seinem „Konzept Integriertes Management“ auf. Er bezieht sich dabei auf die Erkenntnisse von Hans Ulrich und entwickelt daraus eine zeitlose flexible Antwort auf eine komplexer werdende Welt. Dies zeigt auch die im Jahr 2011 erschienene 8. Auflage seines Werkes, welche durch ein zusätzliches neues Kapitel zur praktischen Umsetzung des „Konzept Integriertes Management“ von Dr. Christian Abegglen, Geschäftsführender Direktor der St. Galler Business School, ergänzt und erweitert wurde.

Dank der sehr frühen Erkenntnis von Knut Bleicher, zuletzt besonders auch während seiner Zeit als Wissenschaftlicher Leiter an der St. Galler Business School, dass sich ein Unternehmen als Teil eines virtuellen Netzwerks zu sehen habe, kann das „Integrierte Konzept" mit Fug und Recht auch heute nach 25 Jahren nach wie vor als eine zentrale Säule eines ganzheitlichen Managementverständnis und damit auch als ein Standard der modernen Management-Lehre im deutschen Sprachraum angesehen werden. Zu Recht gilt es auch als Wegbereiter eines modernen Führungsverständnis – zur Führung in Hochleistungsnetzwerken, zur Führung über die Vermittlung von Sinn, Vision und Werten. Bedeutsam wird auch ein bewusster Gegenpol zum speziell im anglo-amerikanischen Raum häufig zu beobachtenden eher eindimensionalen Management-Denken gesetzt.

Das Konzept wurde in den letzten 25 Jahren seit Ersterscheinung in der Praxis immer von neuem auf den Prüfstand gestellt, angepasst und mit umsetzungstauglichen Konkretisierungen versehen. Das "Integrierte Konzept" bietet deshalb heute - genauso wie vor über 25 Jahren - eine geeignete Referenzarchitektur zur Darstellung und Lösung unternehmerischer Fragestellungen und kann zu Recht als höchst anpassungsfähig bezeichnet werden.

In der 9. Auflage, welche im Juli 2017 unter der Schriftleitung von Christian Abegglen erschienen ist, wurde entsprechend den vorabgenannten Entwicklungen dem Thema Umsetzung des Konzepts in die Praxis wie Fragen moderner Führung in digitalen Zeiten besonders Rechnung getragen. Der von Christian Abegglen entwickelte Wissensnavigator hilft dabei beim Anwenden, Nachschlagen, Querlesen und Umsetzen von der Theorie hin zur Praxis. Exklusiv für Leser dieser 9. Auflage stehen Arbeitspapiere, Schautafeln, Roadmaps, Anleitungen und Gutscheine digital bereit.

Dem visionären Geist von Ulrich und Bleicher ist es zu verdanken, dass in der Textilstadt St. Gallen der Grundstein für eine moderne europäische Managementlehre gelegt wurde, welche weit über St. Gallen ausstrahlt. Bereits in den siebziger Jahren wurde begonnen dieses ganzheitliche Managementverständnis über die puristische Studentenausbildung hinaus zu verbreiten und im Rahmen von praxisorientierten Managementseminaren mit Führungskräften und erfahrenen Managern zu teilen. Der St. Galler Management Ansatz wurde so von Unternehmen und Beratern weit über die Schweiz hinaus angewandt und genutzt, was wiederum den Ruf von St. Gallen als Managementhochburg stärkte. Dies unterstützte Hans Ulrich, indem er in seiner Weitsicht die Verwertungsrechte des St. Galler Management Modells nicht einer Institution exklusiv zusprach oder gar für sich und seine Erben beanspruchte, sondern bewusst die Verbreitung und Nutzung seines Gedankengutes zuliess. So konnte es von vielen Institutionen, Beratern und Unternehmen laufend an der betrieblichen Realität und Praxis gemessen, geprüft und dadurch optimiert werden. Auf dieser Basis entstanden neben der staatlichen Universität St. Gallen unabhängige, privatwirtschaftlich organisierte Institutionen, welche das Wissen und den Namens St. Gallens in die Welt hinaustragen.

Durch diese, dem Wettbewerb verpflichtete, Vielfalt von Seminar- und Beratungsgesellschaften ist St. Gallen heute zu einem – wie von Ulrich vorausgesehen und postulierten - „Management Valley“ geworden, mit entsprechend grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung. Das Neben- und Miteinander von Universität, Fachhochschule, privaten Business Schools und Management Zentren sowie Unternehmensberatern führt heute zu einer befruchtenden Vielfalt der Wissensverbreitung und –vermittlung in der Tradition der systemorientierten, ganzheitlichen und integrierten St. Galler Managementlehre. Der Wettbewerb zwischen den Anbietern führt zu einem Streben nach maximaler Qualität, Kundenorientierung und als Folge sehr hoher Kundenzufriedenheit.