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Der Klimawandel stellt für alle Branchen eine Bedrohung dar. Längst bestimmen die Auswirkungen des Treibhauseffektes Medien und politische Debatten fast täglich. Denn der Mensch ist Hauptemittent von Treibhausgasen und befeuert so die globale Erwärmung. So sind die letzten vier Jahrzehnte die wärmsten seit den Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1850. Durch die vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase wird dabei im Zeitraum von 1850 bis 2019 eine Erdoberflächenerwärmung von 0,8 bis 1,3 Grad Celsius angenommen. Dadurch haben sich die Vegetationszonen in beide Richtungen zu den Polen ausgedehnt. Im Mittel ist nun eine Vegetationsphase 2 Tage länger. Auch haben seit 1950 heiße extreme Wetterereignisse zugenommen, wohingegen Kältewellen weniger häufig und schwer ausfallen. Starkregenfälle kommen nun häufiger vor. Zudem ereignen sich auch immer mehr Dürreperioden, die vor allem für die Landwirtschaft gefährlich werden können. (vgl. IPCC, 2021, S. 5-11)
Die Auswirkungen stellen schon heute massive Hürden für den Weinbau dar. In einer Analyse von Aufzeichnungen von fünf Weingütern im Zeitraum von 2017 bis 2019 wurden Auswirkungen des Klimawandels ausgewertet. Dabei wurde als positiver Effekt lediglich eine verbesserte Weinqualität genannt. Hauptsächlich bestimmten negative Faktoren das Gesamtbild. So löse der Klimawandel Sonnenbrand, Trockenstress, geringe Erträge durch Trockenheit, zu frühe Reife, Spätfröste, Veränderungen im Aromaprofil und Starkregenereignisse aus. Grundsätzlich stellten die Winzer fest, dass sich gute Weinqualitäten auf schlechtere Lagen verschoben haben und Top-Parzellen nun schlechtere Ergebnisse vorweisen. Hier sind gerade Steillagen im Nachteil, da diese durch ihre sowieso schon hohe Wärmezufuhr durch den Klimawandel noch größerer Hitze ausgesetzt sind, was überreifes Traubenmaterial zur Folge hätte. (vgl. Strub/Loose, 2021, S.14f) Aktuell haben die Weinbauern mit großen klimatischen Unterschieden in den Erntejahren zu kämpfen. Waren die Jahre 2018, 2019 und 2020 noch extrem trocken, zeigte sich das Jahr 2021 durch dauerhafte Niederschlagsereignisse, die viele deutsche Winzer an ihre Grenzen brachte. Ähnlich wie das Jahr 2016 richtete Peronospora aufgrund häufiger und heftiger Niederschläge große Schäden in den Weinbergen an, die teils zu kompletten Ertragsausfällen oder enormen Qualitätseinbußen führten. Grundsätzlich war das Wasser lange ersehnt gewesen. Jedoch konnten die Starkregenfälle von den Böden nicht aufgenommen werden und es kam zu Abschwemmungen, welche eine optimale Applikation der Pflanzenschutzmittel fast unmöglich machte. Fehlender Erosionsschutz durch Begrünungen, ein schnelles Pflanzenwachstum, für den Pilz optimale Temperaturen und teilweise nicht im Handel verfügbare Pflanzenschutzmittel begünstigten den Peronosporabefall. Ähnliche Faktoren spielten bei der Vermehrung des Oidiumpilzes eine Schlüsselrolle. Obwohl Niederschläge nicht förderlich für das Wachstum von Oidium sind, fügte auch er den Weinbergen gravierende Schäden zu. Durch einen starken Vorjahresbefall überwinterte der Pilz und verbreitete sich durch das Zusammenspiel von hoher Luftfeuchte und moderaten Temperaturen über die Anlagen. (vgl. Walter et al., 2022, S. 10f) Trotz der schwierigen Bedingungen, die das Jahr 2021 mit sich brachte, konnten mit 8.733.000 Hektolitern drei Prozent mehr als 2020 (8.484.375 Hektoliter) geerntet werden. Je nach Anbaugebiet erschienen die Schäden dabei in unterschiedlichem Maße. (vgl. Ddw, 2021a, S. 36f) Große Verluste musste der Ökoweinbau hinnehmen. Aufgrund der geringeren Wirksamkeit der ökologischen Pflanzenschutzmittel im Vergleich zu denen des integrierten Weinbaus wurden erheblich niedrige Erträge eingefahren. (Ddw, 2022a, S.8f) An der Häufigkeit der Pflanzenschutzbehandlungen lässt sich die nachteilige Stellung der Öko-Winzer erkennen. So verzeichneten konventionelle Betriebe in der Saison 2021 im Mittel 10 Pflanzenschutzbehandlungen, wohingegen Bio-Betriebe mit 14 Spritzungen einen signifikanten Mehraufwand hatten. (vgl. Oberhofer/Kurz, 2022, S.47) Ähnliche Qualitäts- und Ertragsverluste kann Trockenheit mit sich bringen. Vergleicht man die Erträge der Jahre 2018 und 2019 am Weinbaugebiet Franken, zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels deutlich. Obwohl beide Erntejahre durch Trockenheit geprägt waren, gingen die Erntemengen immens auseinander. Konnte 2018 noch ein Ertrag von 86 Hektoliter pro Hektar eingefahren werden, ernteten die Winzer 2019 nur noch einen Ertrag von 56 Hektoliter pro Hektar. In beiden Fällen Ereignisse, die die Winzer seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr vermeldet hatten. (vgl. Regierung von Unterfranken, 2020)