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3.1.2 Potenzial von alkoholfreiem Wein

Um fortwährend drohenden internationalen Alkoholregulierungen zu entgehen, bieten sich für Winzer alkoholfreie Weine als alternatives Vermarktungsprodukt an. Dabei würde ein breites Angebot an alkoholfreien Alternativen die EU-Politik unterstützen ohne staatlich in den Weinmarkt einzugreifen. Derzeit wird der gesamte Weinmarkt vom Trend zum alkoholfreien Wein bestimmt. Denn für Konsumenten werden die alkoholfreien Alternativen immer attraktiver. Laut dem Marktforschungsunternehmen IWSR werden in den Jahren von 2021 bis 2025 in Deutschland die Absatzmengen von alkoholfreiem und alkoholreduzierten Wein um 14 Prozent wachsen. Auch Marktforschungsunternehmen wie das IRI (Information Ressources Incorporated) bestätigen diese Prognose in ihrem Bericht über den Absatz alkoholfreien Weins im LEH (Lebensmitteleinzelhandel) im 11-Monatszeitraum bis November. Hierbei lag der Absatz im Jahr 2020 mit circa 11,6 Millionen Euro 38,8 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Im Jahr 2021 konnte der Absatz sogar um 43,8 Prozent auf circa 16,7 Millionen Euro zulegen. Dabei befindet sich Deutschland schon jetzt volumenmäßig hinter den USA auf Platz zwei als größter Markt für alkoholfreien Wein weltweit. Hinsichtlich des Preises schneidet alkoholfreier Wein in Deutschland mit einem Durchschnittspreis pro Flasche von 3,66 Euro sehr gut ab und liegt über dem Preis des vollalkoholischen Weines mit durchschnittlich 3,78 Euro pro Liter, was 2,83 Euro pro 0,75 Liter Flasche entspricht (vgl. DWI, 2021, S.3). Die Kundengruppen für den alkoholfreien Wein konzentrieren sich längst nicht mehr nur auf religiöse Abstinenzler, Schwangere, Kranke oder trockene Alkoholiker. So zählen nun auch gesundheitsbewusste oder experimentierfreudige Konsumenten, vor allem im Alter zwischen 30 und 39, die nicht mehr so viel Alkohol trinken wollen, zu den Abnehmern von alkoholreduzierten Produkten. Zwischenzeitlich haben sich alkoholreduzierte und alkoholfreie Produkte zu einem eigenen Lifestyle entwickelt, der stark mit der Bio-Szene und Nachhaltigkeits-Bewegung verzweigt ist. (vgl. Bertram, 2022a, S.24-29)

 

Auch wenn es immer noch schwierig ist, die geschmacksgebende Funktion des Alkohols zu ersetzen und die durch Entalkoholisierung verlorengegangene Sortentypizität wiederherzustellen, haben sich die technischen Verfahren in den letzten Jahren verbessert. Vor allem die Vakuumdestillation und das Spinning-Cone-Column-Verfahren haben sich in der Unterschreitung der 0,5-Volumen-Prozent-Schwelle bewährt. Dabei ist es wichtig, vor der Entalkoholisierung Rebsorten auszuwählen, welche hohe Mengen an Aromastoffen wie Monoterpene und Thiole aufweisen, da diese schon in der Traube an Zucker oder Aminosäuren gebunden sind.  Insgesamt lässt der Prozess durch den Alkoholentzug ein sehr saures Geschmacksgefühl entstehen, welches jedoch durch den Einsatz von Kohlensäure und Süßreserve aus aromatischen Rebsorten maskiert werden kann. (vgl. Fischer et al., 2022, S.30-33)