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Die finanzwirtschaftlichen Merkmale von LSTK-Verträgen, die von Großanlagenbauern verwendet werden und von Krolle und Sommerkamp zusammengefasst wurden, lassen sich uneingeschränkt auf das Projektgeschäft der Sondermaschinenbau GmbH übertragen.
„Langfristige Fertigungsprojekte“ von Sonderanlagenbauern zeigen typische finanzwirtschaftliche Charakteristika in der Bilanz und der GuV. Das Umlaufvermögen auf der Aktivseite besteht größtenteils aus „unfertigen Erzeugnissen, erhaltenen Anzahlungen, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und liquiden Mitteln“.36 Auf der Passivseite wird das Risiko der Projekte in den erhöhten Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistungen in den Rückstellungen sichtbar.37
In der Gewinn- und Verlustrechnung spiegeln sich diese Merkmale insbesondere in den hohen „Schwankungen auf der Umsatzseite“38 wider. Die Abbildung der langfristigen Umsatzentwicklung der Sondermaschinenbau GmbH (vgl. S. 4) verdeutlicht diese charakteristische Entwicklung. Die ausgewählte „Rechnungslegungsvorschrift“ verstärkt diese Schwankung.39 Nach HGB sind erst zu 100 % abgerechnete Projekte umsatzwirksam. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass jahrelang kaum Umsatz ausgewiesen wird, aber ein hoher Millionenbetrag ab dem Moment umsatzwirksam wird, wenn die Großanlage endgültig in Betrieb genommen wurde. Nach IFRS (International Financial Accounting Standards) sind diese Schwankungen nicht mehr in dem Umfang möglich, weil Aufträge nach dem Grad der Fertigstellung (Percentage-of-Completion-Methode) als Umsatz ausgewiesen werden.
Aus den oben genannten Gründen sind laut Krolle und Sommerkamp drei Aspekte ausschlaggebend, um Unternehmen des Anlagenbaus zu bewerten: Erstens die Analyse der Bilanz, zweitens die Analyse der Gewinn- und Verlustrechnung und drittens die sich im Auftragsbuch befindlichen Projekte und das damit verbundene Risikopotential pro Anlage sowie genaue Kostenkalkulationen.40
Bei der Sondermaschinenbau GmbH können Projekte eine Laufzeit von bis zu zwei Jahren erreichen. Je nach Vertrag und Auftraggeber wird meistens eine Anzahlung von 30 % des Auftragswertes zu Beginn des Projektes geleistet. Nach vertraglich gesetzten Milestones folgen dann zwei weitere 30 %-Abschlagszahlungen und eine 10 %-Zahlung, sobald die Anlage in den Hallen des Kunden in Betrieb genommen wird. Diese Modalitäten sind für die Automobilindustrie, die von der Sondermaschinenbau GmbH beliefert wird, üblich, können aber in Milestone und Abschlagswert je nach Auftraggeber variieren.41
Die Kosten, die im Rahmen von Vorkalkulationen für die einzelnen Projekte ermittelt werden, variieren stark im Umfang und den technischen Anforderungen. Da es sich zumeist um „First-of-its-kind-Anlagen“ handelt, die erst konstruiert werden müssen, ist das Risiko einer Fehlkalkulation erhöht. Gründe für eine falsche Kosteneinschätzung können u.a. fehlende Erfahrungswerte im technischen Bereich oder im Projektmanagement sein.
Die Sondermaschinenbau GmbH reduziert dieses Risiko, indem sie die vor dem Projekt erstellte Kalkulation in regelmäßigen Abständen mit den tatsächlich anfallenden Kosten vergleicht. Dabei werden die Kosten der Anlagen nach mechanischen und elektrischen Inputkomponenten aufgeteilt, die von den zuständigen Abteilungs- und Projektleitern zu überprüfen sind.
36 Vgl. Krolle/Sommerkamp (2007), S. 38f.
37 Vgl. Krolle/Sommerkamp (2007), S. 38f.
38 Krolle/Sommerkamp (2007), S. 39.
39 Vgl. Krolle/Sommerkamp (2007), S. 39.
40 Vgl. Krolle/Sommerkamp (2007), S. 39.
41 Interview mit der Geschäftsleitung der Sondermaschinenbau GmbH am 08.05.2012.