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1.2. CO2-Fußabdruck – von der Selbstverpflichtung zur Umsetzungspflicht eines Unternehmens

Der Klimawandel ist unumkehrbar. Für Unternehmen, die dies frühzeitig erkennen, akzeptieren und handeln, können sich dadurch durchaus auch Chancen ergeben: Die Märkte von morgen sind diejenigen, die „Paris-kompatibel“ sind (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Klimapolitik ist Standortpolitik
(Quelle: Fischedick (2020))

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnis und der unter 1.1 aufgezeigten globalen Entwicklung verwundert es kaum, dass das Thema „Klimaschutz“ aus ganz unterschiedlichen Gründen bereits auf der Top-Management-Agenda von Unternehmen angekommen ist – handelt es sich doch um eine der größten (unternehmerischen) Herausforderungen für die Zukunft: Waren es zu Beginn noch die Innovatoren oder die Early Adopters[1], welche mit Aktionen zur freiwilligen Reduzierung des CO2-Abdrucks auf sich aufmerksam gemacht haben,[2] sind es mittlerweile immer mehr Unternehmenslenker, die sich dafür entscheiden und klare Ziele setzen, ihren Betrieb innerhalb der nächsten Jahrzehnte klimaneutral zu führen und zu einem CO2-neutralen Unternehmen zu werden (vgl. dazu auch Tab. 12 in Abschnitt 5.3).

Unternehmen sind folglich gefragt, einerseits sich unmittelbar mit dem eigenen „CO2-Fussabdruck“ auseinanderzusetzen (vgl. Abschnitt 2) und andererseits die Chancen und Risiken, die sich aus sich abzeichnenden volkswirtschaftlichen und marktseitigen Veränderungen ergeben, genau zu beobachten.

Man kann dabei die Betroffenheit verschiedener Sektoren durch den Klimawandel unterscheiden und zwischen direkter Betroffenheit im Sinne des Schutzes gegen z. B. Hochwasser- und Hitzeereignisse
(= klimatisch-natürliche Dimension) und Betroffenheit durch vom Klimawandel induzierte, politische oder wirtschaftliche Veränderungen (= regulatorisch-marktwirtschaftliche Dimension) differenzieren (Vgl. Abbildung 4).[3]

[1] Vgl. zum Diffusionsmodell von Innovationen Rogers (1983).

[2] Vgl. z.B. die Unternehmen Schneider Electric (www.schneider-electric.com) oder VauDe (www.vaude.com).

[3] Vgl. Heymann (2008), o.S.

Abb. 4: Gewinner- und Verliererbranchen des Klimawandels
(Quelle: Heymann (2008))

Direkte Einflüsse können zwar ggf. durch Versicherungen abgesichert werden, deren Prämien für die Policen werden sich aber aufgrund der höheren Eintrittswahrscheinlichkeiten der Ereignisse (Starkregen, Dürre, Hurrikans etc.) signifikant erhöhen. Regulatorische Einflüsse – z.B. bezüglich des Flottenausstoßes der Automobilindustrie – wiegen demgegenüber sehr viel schwerer und führen zu Zwangsgeldern bzw. Investitionen in die Motorentechnik (vgl. Hybridfahrzeug, Batterie-Elektrisches Fahrzeug), welche darüber hinaus disruptive Auswirkungen auf die Zuliefererketten haben. Solche Einwirkungen lassen sich nach ihrer physischen, staatlichen, marktlichen und reputativen Art unterscheiden (vgl. Tab. 1).[1] Darüber hinaus sind administrative Einwirkungen möglich, welche sich 

z.B. in Form eingeforderter Zertifizierungen[1] oder sonstiger, z.B. kundenspezifischer Anforderungen niederschlagen.

[1] Z.B. ISO 14001 oder ISO 50001. Zur ISO 14001 vgl. vertiefend z.B. Quentic (2021), zur ISO 50001 z.B. www.umweltbundesamt.de.

[1] Vgl. Fichter/ Stecher (2011), S.32.

Art der Entwicklung Ausgewählte
Risiken für Unternehmen bzw. Branchen
Ausgewählte
Chancen für Unternehmen bzw. Branchen
Physisch Extreme Wetterereignisse (z.B. Stürme, Starkregen, Hitze), Hochwasser, kontinuierliche Veränderung von Klimaparametern; Engpässe in der Energieversorgung, fehlende Verfügbarkeit von Logistikwegen Veränderung von Klimaparametern wie z.B. die Zunahme von Wind (Windkraftanlagen); Temperaturanstieg ermöglicht z.T. frühere Erntezeiten, kann Heizkosten reduzieren, ermöglicht den Anbau von Pflanzen aus südlicheren Gefilden in der nördlichen Region
Staatlich Gesetze, Auflagen, etc., welche den unternehmerischen Handlungsspielraum einschränken (z.B. Auflagen zur Risikovorsorge, Flächenregulierung, staatliche Vorgaben für klimaneutrale Produkte) Staatliche Fördermittel für Forschung und Entwicklung, und von Klimaanpassungsinnovationen, Marktanreizprogramme für klimaneutrale Produkte, zinsvergünstigte Darlehen für Klimaanpassungsinvestitionen
Marktlich Verknappung von Rohstoffen, Lieferausfälle oder Lieferverzögerungen, Nachfragerückgang klimabelastender Produkte. Anstieg der Energiepreise, Anstieg der Rohstoffpreise Nachfrageausweitung (z.B. Gebäudeklimatisierung, Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz, Bepflanzung von Innenräumen); Entstehung neuer Geschäftsfelder (z B. Risiko und Anpassungs-Consulting, „schwimmende Häuser"); intelligente und flexible Gebäudefassaden
Reputation Z.B. negative Schlagzeile in den Medien über ganze Regionen infolge von extremen Wettereignissen und daraus resultierend das Ausbleiben von Touristen Einführung von zertifizierten Risikomanagementsystemen, Profilierungschancen als Pionier und positives öffentliches Image als „klimafittes“ Unternehmen

Tab. 1: Unternehmerische Chancen und Risiken als Folge des Klimawandels
(Quelle: in enger Anlehnung an Fichter/Stecher (2011), S. 32.)

Der in der Vorbemerkung aufgeworfenen Fragestellung, ein Unternehmen gewillt ist, sich eine CO2-Reduktion zu „leisten“, gilt es nachfolgend in Form ausgewählter Hypothesen zu erörtern. Selbstverständlich gilt dies auch im Falle einer gesetzlichen Verpflichtung, denn auch hier ist eine Kenntnis über zu erwartende Potentiale bzw. finanzielle (Mehr-)Belastungen unabdingbar.