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5.3. Erste Ansätze zur Vermarktung der CO2-Reduktionsstrategie

Sobald ein Unternehmen sich zu seiner eigenen CO2-Reduktionsstrategie bekannt und diese formuliert hat, stellt sich die Frage einer angemessenen Vermarktung dieser Strategie ggü. den verschiedenen Stakeholdern. Die Klimaschutz-Ziele und damit auch die CO2-Reduktionsstrategie stellen einen wesentlichen Bestandteil innerhalb der Corporate Social Responsibility-Konzepts eines Unternehmens dar. Folglich ist über diese entsprechend zu berichten (vgl. Abschnitt 4.4).

Über diese CSR-basierte Berichterstattung hinaus ist aber zusehends zu beobachten, dass das Thema CO2-Reduktion Einzug in die Marketing- bzw. Public-Relations-Abteilungen vieler Unternehmen gehalten hat. Tabelle 12 zeigt dazu eine Übersicht bezüglich kommunizierter Klimaschutz-Ziele ausgewählter börsennotierter Unternehmen.

Bereits diese oberflächliche Bestandsaufnahme des Verfassers stützt die seit geraumer Zeit zu machende Beobachtung, dass gerade große Unternehmen vergleichsweise aggressiv Ihre Zielsetzung, bis zum Jahre „20XX“ klimaneutral (bzw. CO2-frei) zu sein, in den Fokus ihrer Öffentlichkeitsarbeit gerückt haben. Es scheint sich um ein generisches Ziel vieler Unternehmen zu handeln, (perspektivisch) aufzeigen und öffentlich kommunizieren zu wollen, wann es teilweise oder vollständig CO2-neutral oder CO2-frei produzieren (bzw. sein) wird.

Allerdings sei auf folgenden wichtigen Umstand hingewiesen: CO2-Neutralität bedeutet, dass das Unternehmen einen Ausgleich von klimaschädlichen und klimasichernden Vorgängen erreicht hat (vgl. Kompensation). Demgegenüber bedeutet CO2-frei, dass eine Technologie, ein Produkt (z. B. ein Energieträger) oder eine Unternehmenseinheit keine (oder fast keine) Emissionen von CO2 (mehr) verursacht.[1] Ferner ist mit dem Begriff „klimaneutral“ gemeint, dass eine ausgeglichene Bilanz von schädlichen Emissionen vorliegt.[2]

Unternehmen Branche Maßnahme / Aussage Wann umgesetzt?
Alphabet (Google)[1] IT CO₂-Neutralität /
CO₂-Freiheit
seit 2007 /
bis 2030
Apple Consumer Electronics ab 2030 sind alle Produkte CO2 neutral ab 2030
Daimler AG Automobil CO₂-neutrale Werke in Deutschland ab 2022
Jaguar Land Rover
(Tata)
Automobil ab 2025 Herstellung nur noch elektrischer Fahrzeuge. Marke Jaguar wird klimaneutral bis 2039
Nestlé AG Lebensmittel Klimaneutralität in 2050
Robert BOSCH GmbH[2] Elektronik, Automotive klimaneutrales Unternehmen: über 400 Standorte bis Ende 2020 CO₂-neutral seit 2020
Schneider Electric Elektrotechnik klimaneutrales Unternehmen im Jahr 2025 ab 2025
ThyssenKrupp AG Stahl minus 30% CO2-Emissionen ggü. dem Stand aus 2019 bis 2030

Tab. 12: Klimaschutz-Ziele ausgewählter Großunternehmen

Übertragen auf mittelständische Industrieunternehmen lässt sich diesbezüglich nachstehende Normstrategie für die Vermarktung der unternehmenseigenen Klimaschutzziele ableiten (vgl. Abb. 16): Das Subjekt (z.B. ein Unternehmen) verkündet für ein Objekt (z.B. einen Standort des Unternehmens) ein konkretes Klimaschutzziel (z.B. CO2-Neutralität) bis zu einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. bis zum Jahr 2030) zu erreichen (bzw. bereits erreicht zu haben).

Abb. 16: Normstrategie zur Kommunikation des unternehmerischen CO2-Reduktionsziels

Bezogen auf das Fallbeispiel der FUME GmbH bleibt anzumerken, dass das Unternehmen sich gegenwärtig in der Evaluierungsphase der unternehmenseigenen CO2-Reduktionsstrategie befindet. Noch im Jahr 2021 soll ein definiertes Klimaschutzziel ausgegeben werden, welches die Erreichung der CO2-Neutralität bei möglichst hohem Anteil an CO2-Freiheit in den kommenden 20 Jahren abbildet.

Vor dem Hintergrund der bis dato vorliegenden Daten und Informationen dürfte dieses Ziel nach einem realistischen Szenario für die FUME GmbH in etwa im Jahr 2040 erreicht werden. Dies entspräche – bei einem weiterhin unterstellten, konstantem Umsatzwachstum von jährlich 11% – einer erforderlichen CO2-Einsparung von 6,8% p.a. gegenüber dem Emissionsstand von 2019 (ca. 5825to CO2). Sodann würden die im Jahr 2040 verbleibenden CO2-Emsissionen auf einem Stand von 25% ggü. dem Jahr 2019 liegen (1340to). Über die ergriffenen unternehmenseigenen Maßnahmen hinaus müsste diese Restmenge dann noch über den Erwerb von CO2-Zertifikaten kompensiert werden.

 

[1] Vgl. www.handelsblatt.com.

[2] Die Robert Bosch GmbH ist ein Stiftungsunternehmen und nicht börsennotiert.

[1] Vgl. z.B. die kritischen Anmerkungen bei www.sonnenseite.com.

[2] Hier kann es unter Umständen sogar zu Netto-CO2-Emissionen kommen, wenn diese auf andere Weise kompensiert werden, etwa durch die Reduktion von Methanemissionen an anderer Stelle.