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Mindell unterscheidet bei Kommunikationsprozessen primäre und sekundäre Prozesse.
Primäre Prozesse zeichnen sich durch ihre bewusst gewählte Sprache, Probleme und Themen aus. Gleichzeitig beinhaltet ein primärer Prozess auch unbewusste Anteile. Wir wissen zwar, wovon wir reden, sind uns aber „der Mythen und Glaubenssysteme nur vage bewusst“116, die dahinter stehen.
Sekundäre Prozesse zeichnen sich durch ihre Absichtslosigkeit aus und werden unbewusst artikuliert. Hier äußert sich die Traumkörpersprache, die sich in Körperhaltung und –Bewegungen, Aktionen und Reaktionen ausdrückt. Mit den hier geäußerten Signalen identifiziert sich ein Einzelner nicht. „Es ist das, was man oft als Störung erlebt oder als dessen Opfer man sich fühlt.“117
Unter Traumkörper versteht Mindell „die Gesamtheit aller primären und sekundären Prozesse eines Individuums oder einer Gruppe (globaler Traumkörper), wie sie sich in allen Kanälen ausdrücken. [...] Der träumende Prozess ist der Prozess des Traumkörpers, der sich ins Dasein träumt. Der Traumkörper ist, so gesehen, seine eigene Lösung, die sich offenbart, wenn die Signale amplifiziert werden. Der globale Traumkörper hat eine raum- und zeitlose mythische Qualität und verbindet Ereignisse akausal durch Entsprechungen.“118
Traumfiguren wiederum kann man als Teil des Traumkörpers verstehen, denen Arnold Mindell eine Splitterintelligenz zuschreibt und die sich durch Signale in einem Prozess aktuell meist unbewusst äußern. Mindell benutzt diese Bezeichnungen, weil sich das, was sich in uns ausdrücken will, häufig zunächst in unseren Träumen ausdrückt. Primäre und sekundäre Prozesse äußern sich in Signalen. Unterscheiden sich die Botschaften der primären und sekundären Prozesse, spricht Mindell von Doppelsignalen. Diese führen beim Empfänger zu Irrationen. Für ihn bleibt die Mitteilung des Senders unklar. Doppelsignale werden durch sekundäre Prozesse verursacht, in denen sich das Unbewusste wie auch in Träumen und Projektionen manifestiert. „Projektion ist ein innerer Abwehrmechanismus. In ihr wird ein verbotenes oder nicht mehr befriedigbares eigenes Motiv als Motiv einer oder mehrerer anderer Personen wahrgenommen. Diese fälschliche Wahrnehmung hilft in der Regel mit, die Angst vor erhöhten Befriedigungsmöglichkeiten des nicht mehr befriedigbaren oder verbotenen Motivs zu verringern, bzw. einen effektiveren Verzicht auf die Befriedigung des eigenen Motivs zu erzielen, als es ohne Projektion möglich wäre. Zwischen der Projektion einerseits und der Wahrnehmung bzw. Interpretation von Motiven anderer Personen andererseits kann nicht immer klar unterschieden werden. Vorurteile, gewisse ungeprüfte Meinungen und Aberglauben, beruhen nicht selten auf Projektionen. Schwere, d.h. die Wirklichkeit besonders stark verkennende Projektionen treten in den Psychosen auf.“119 Mindell versteht unter Projektion, dass jemand ein Stück von sich selbst, das er bisher noch nicht kannte, auf eine andere Person projiziert.120
„ ... Mit dem Konzept der Projektion eng verbunden ist das der Übertragung. [...] Übertragung ist das allgemeine Phänomen der Wahrnehmung oder Interpretation gegenwärtiger Situationen im Lichte vergangener Erfahrungen bzw. ähnlicher vergangener Situationen.“121
„Die Übertragung ist letztlich eine Form der Projektion. Nicht die Beziehungssituation und der andere Mensch selbst werden gesehen, sondern eine frühere Konstellation wird bewusstlos und unfreiwillig übertragen auf eine andere – und schafft somit Realitäten. Dabei zählt ... nicht, ob wir bemerken, was wir da sagen und wie wir es tun. Denn Kommunikation findet zu einem erheblichen Teil in einem unbewussten Prozess statt.“122 Doppelsignale können für den Empfänger ein Hinweis auf Projektion sein und „... deuten auf Grenzen hin, welche die Botschaft des Sekundärprozesses abspaltet. Jedes Doppelsignal erzeugt eine Identitätskrise, es kämpft an gegen das Ego, das sich mit dem Primärprozess identifiziert hat. Eine Grenze formt eine Definition von einem selbst und ist zugleich die Begrenzung des Bewusstseins. Grenzen sind stets verknüpft mit Ideen, mit tiefsitzenden Glaubenssystemen, mit einer persönlichen Identität und mit einer Lebensphilosophie darüber, wer man glaubt, wirklich zu sein.“123 Das Erkennen und Benennen der Grenzen allein reicht nicht aus, die Spaltung zwischen Primär- und Sekundärprozess aufzuheben, die jeweilige Person muss „das Problem mit ihrem inneren Glaubenssystem in Einklang... (bringen).“124
115 vgl. Mindell, Arnold: Traumkörper in Beziehungen, 1994
116 Mindell, Arnold: Traumkörper in Beziehungen, 1994, S. 47
117 Mindell, Arnold: Traumkörper in Beziehungen, 1994, S. 175
118 Mindell, Arnold: Traumkörper in Beziehungen, 1994, S. 176
119 Brodbeck, Dennis: Lexikon der Psychologie, 1988
120 vgl. Mindell, Arnold: Traumkörper in Beziehungen, 1994, S. 31
121 Lexikon der Psychologie, 1998
122 Brodbeck, Dennis: Lexikon der Psychologie, 1988