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In Anlehnung an Watzlawicks Aussage: ‚Man kann nicht nicht kommunizieren‘ ist demzufolge davon auszugehen, dass ‚man nicht nicht projizieren kann‘. In jedem Kommunikationsprozess werden Inhalte ausgedrückt und somit geht es in jedem Kommunikationsprozess immer auch um einen selbst.
Das topografische Modell des Bewusstseins bzw. der Psyche125 (Abbildung 3: ) bildet die Grundlage des Kommunikationsmodells nach DiCon.126
Der analytische Psychologe C. G. Jung sagte, dass jeder Mensch über das gleiche Bewusstsein verfügt, somit entspricht in Abbildung 3 der ganze Kreis 100% des Bewusstseins.
Dieses Modell besagt, dass die menschliche Psyche dreigeteilt ist in:

Abbildung 3: Das menschliche Bewusstsein127
Das Unbewusstsein macht ungefähr 90 Prozent des menschlichen Bewusstseins aus.128 Andere Studien gehen sogar von 95 bis 98 Prozent aus. Somit teilen sich das Bewusste und das Unterbewusstsein die restlichen 2 bis 10 Prozent.
Das Bewusste
Der Mensch definiert sich über das, was er weiß, was ihm bewusst ist. Das ist seine Identität. Dieses ‚Wissen‘ spielt sich im Bewussten ab, welches nur einen Bruchteil des Gesamtsystems ausmacht, der Mensch lebt aber das gesamte System. Als Kern des Bewussten findet sich das Ego.129 Das Ego behauptet, es wäre bereits das Ganze und die übrigen Teile würden nicht dazu gehören. Deshalb werden sie abgewehrt und notfalls bekämpft. Je mehr sich das Ego aber seiner Besonderheit behauptet, je mehr es sich abtrennt von dem Rest, desto intensiver versucht sich dieser bemerkbar zu machen um bewusst zu werden.
Der Filter der Gefühle
Diesen Filter kann man sich so vorstellen, dass er teilweise durchlässig, größtenteils aber undurchlässig ist. Wenn der Filter dicht, also undurchlässig ist, nennen wir das Angst.130 Ist der Filter durchlässig, nennen wir das Mut. Grundsätzlich ist der Filter die Trennung zwischen dem, was uns bewusst ist und dem was unbewusst ist. Der Filter trifft die Entscheidung, ob etwas ins Bewusstsein dringen darf (Mut) oder ob es ‚draußen‘ bleiben soll (Angst). Dem Mut geht immer Angst voraus. Wer wirklich mutig ist, nimmt seine Angst wahr und als gegeben hin. Mitunter gleicht das einer ‚schweren Geburt‘, oder aber es geschieht spontan und leicht mit einem herzhaften Lachen. Das Wesen der Komik ist Erkenntnis, also Lernen.131 Wer lernt, lacht oder weint oder tut beides zugleich. Die Vorgänge seines Filters wahrzunehmen, sich also seiner Gefühle bewusst zu sein, entspricht dem, was wir seit ca. 20 Jahren als emotionale Intelligenz bezeichnen.
Das individuelle Unterbewusste132
Hier sammeln sich die Inhalte, die zu lernen anstehen, die sich aus der Tiefe des Unbewussten aufgeregt haben oder aber bereits bewusst waren und verdrängt wurden. Was sich im Unterbewussten befindet, bewegt uns, regt uns auf oder an. Hier stoßen die Inhalte an den Filter und wollen ins Bewusstsein, wozu das Ego ‚nein‘ sagt, denn das würde ja Veränderung und Bedrohung der alten Ordnung bedeuten. Und deshalb werden wir emotional.133 Emotionalität hat denselben Wortstamm wie Motivation. Beides hat mit Bewegung zu tun und treibt uns zum Handeln. Wenn jemand zu dem, was sich im Unterbewusstsein abspielt, einen guten Draht hat, nennt man das Intuition. Da ahnt jemand bereits etwas, bevor es passiert.134 Meist ahnen wir aber nicht, was da vor sich geht, sondern handeln, ohne uns über die Hintergründe unserer Handlungen bewusst zu sein. Dieses Modell besagt, dass wir Gründe für unser Handeln rationalisieren, um unsere Handlungen für uns verständlich zu machen, aber häufig ist es so, dass die wahren Motive uns gar nicht bekannt sind.
Das individuelle Unbewusste
C. G. Jung gehört zu denjenigen, die den Bereich des individuellen Unbewussten am intensivsten erforscht hat, weshalb er neben Sigmund Freud auch am häufigsten herangezogen wird, um diesen Bereich zu beschreiben. C. G. Jungs Psychologie wird häufig als paradox bezeichnet, weil sie sehr viel mit Gegensätzen bzw. Gegenpolen arbeitet. 135 Jung bezeichnet das Ego als Persona (unsere Identität) 136 , die alles enthält, was wir als zu uns gehörig empfinden, worüber wir uns definieren. Jung behauptet, dass wir aber auch das Gegenteil all dessen sind und diese Gegenpole unseren Schatten bilden. Je fester ich meine Ansichten und Einstellungen über mich und die Welt festklopfe, je mehr also die Konsolidierung des Egos gelingt, desto mehr wächst auch der Schatten. Jung sieht den menschlichen Lebensweg als zweigeteilt. Die erste Lebenshälfte dient der Ich-Entfaltung (unsere Identität wird uns bewusst), die zweite Lebenshälfte dagegen dient der Selbstwerdung, wozu das Bewusstwerden bzw. das Integrieren des eigenen Schattens gehört.
Das Selbst
Das Selbst ist ebenfalls ein Terminus der jungschen Psychologie. Das Selbst ist die entscheidende Triebkraft, die wir in uns tragen. Wenn wir aus unserem Bewussten heraus (das Ego wird in der Psychologie auch als ‚das falsche Selbst‘ bezeichnet) konträr zu den Inhalten unseres Selbst leben, entstehen daraus innere Konflikte und möglicherweise eine Erkrankung. Laut der analytischen Psychologie hat jeder dasselbe Bewusstsein, aber eine individuelle Mischung dieser Bewusstseinsinhalte. Das Selbst ist nun die Instanz in uns, die man sich wie eine Schnittmenge von einigen dieser Inhalte vorstellen kann, die besonders ausgeprägt sind. Daraus ergeben sich unsere Talente, unsere Begabungen und unsere ‚Berufung‘. Es ist wie ein Kernstück unseres Gesamtsystems, das zu erforschen und bewusst zu leben unserem Leben ein Gefühl der Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit verleiht.
Inhalt und Form (Bewusstseinsinhalte)
Was innerhalb eines Kommunikationsprozesses zuerst wahrgenommen wird, ist die Form. Jede Form enthält eine Information (einen Inhalt in der Form), die zunächst nicht sichtbar ist. Dabei kann eine Form für mehrere Inhalte stehen und unterschiedliche Formen für ein und denselben Inhalt. Wichtige Inhalte sind z.B. Achtung/Respekt und Wertschätzung oder Vertrauen und Führung – wenn wir anhand einer Form feststellen, dass es im Prinzip darum geht, sind es unsere Inhalte, weshalb wir immer das Wort ’Selbst‘ davor setzten können. Man kann diese Inhalte auch Prinzipien137 nennen, was so viel bedeutet wie Grundlage, nach der etwas wirkt. Das impliziert, dass jeder Form ein Inhalt zugrundeliegt, auch wenn uns dieser Inhalt verborgen ist. Es gibt dementsprechend keine leeren, sondern allenfalls (für uns) unverständliche Formen. Wann immer es uns gelingt, diesen Inhalt aus der Form zu lösen, ist das eine Bewusstwerdung bzw. Lernen. Da uns die meisten Prinzipien nicht bewusst sind, begegnen sie uns in einer Form – und zwar so lange, bis sie uns gewahr werden und somit im Bewussten angekommen sind. Dies gilt sowohl für Formen, die uns anziehen und die wir bewundern, als auch für Formen, die wir ablehnen und über die wir uns echauffieren.
Der Drei-Schritt
Wenn unsere Umwelt unser Spiegel ist, dann ist unser Verhältnis zu unserer Umwelt ein Spiegel für unser Verhältnis zu uns selbst. Wer also – wenig verantwortungsvoll – nur versucht, Symptome zu bekämpfen, bekämpft damit im Grunde sich selbst. Somit kann man einen Zusammenhang rekonstruieren, der sich in drei Schritte gliedert (vgl. Abbildung 4):

Abbildung 4: Der Drei-Schritt138
Das bedeutet, dass ich von dem, worüber ich mich an einem anderen Menschen aufrege, auf mich selbst schließen kann, denn es regt sich in mir auf. Der andere ist nur Auslöser, die Ursache (das Prinzip) befindet sich in mir.
Der Drei-Schritt auf Unternehmensebene
Jede Unternehmung ist die Summe seiner Mitarbeiter.
Überträgt man das voran dargestellte Modell auf die Ebene einer Unternehmung, ergibt sich folgendes Bild: Das, was dem Unternehmen und seinen einzelnen Mitgliedern über sich selbst bewusst ist, entspricht der Ebene des Bewussten. Oftmals entspricht die Corporate Identity (CI) dem Unternehmensego. Auch in Unternehmungen gibt es unterhalb des Bewussten eine unterbewusste, emotionale Zone, als Sammelsurium für Inhalte, die bewusst werden wollen (und bislang nicht durften). Gleichzeitig gibt es Strukturen, die für die Regulierung und Aufrechterhaltung des Unternehmens sorgen, denn jedes System ist autopoietisch, also selbsterhaltend und versucht sich so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, auch durch das, was als störend und fehlerhaft erlebt wird.139 Diese Strukturen sind vergleichbar mit der Ebene des Unbewussten.
Was auf individueller Ebene gilt, gilt ebenso auf globaler bzw. jeder anderen Ebene. Somit kann das Modell auch auf das Gesamtsystem einer Unternehmung angewandt werden (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der Drei-Schritt auf Unternehmensebene140
Jede Unternehmung hat auch wiederum eine bestimmte Inhaltsschnittmenge (entsprechend dem Selbst auf individueller Ebene). Diese macht ihr Erfolgspotential aus, die Unique Customer Value Proposition (UCVP). Gleichzeitig lebt sich immer die gesamte Unternehmung und nicht das, was die Unternehmung glaubt zu sein und als CI definiert wird. Was sich lebt ist die Unternehmenskultur (CC) und idealerweise entsprechen sich CI und CC. Tun sie es aber nicht, muss gelernt werden, denn als Verordnung ‚von oben‘ funktioniert Veränderung nur mit begrenzten Erfolgen. Die Unternehmenskultur ist Ausdruck der Unternehmenspersönlichkeit. Der Begriff Kultur steht für alles, was im Unternehmen wichtig und wünschenswert ist: Stetigkeit oder Wandel? Einzelkämpfer oder Gemeinschaft? Nähe oder Distanz? Gleichberechtigte oder einseitige Beziehungen? Innovation oder Kostenorientierung? Vergangenheit oder Zukunft? Kultur macht verlässlich: Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und andere Stakeholder können durch eine bekannte Unternehmenskultur auf das künftige Verhalten des Unternehmens schließen. Jeder Beteiligte weiß im Idealfall, was wirklich wichtig ist, was zählt, was verpönt ist und was Sanktionen auslöst. Werte und Normen der Unternehmenskultur werden so zum Allgemeingut und stabilisieren das Unternehmen. Die Unternehmenskultur zeigt sich deshalb auch im Denken und Handeln aller Mitarbeiter: Wie das Unternehmen mit seinen Stakeholdern kommuniziert, ob das Unternehmen auf die Wünsche und Erwartungen seiner Stakeholder eingeht, ob die Mitarbeiter rechtzeitig und umfassend informiert sind, wie es mit Konflikten und Kritik umgeht, ob es Tabuthemen gibt, wie Versammlungen ablaufen, wie der Briefstil des Hauses ist, wie die Gerüchteküche funktioniert, wie sich die Telefonistinnen und Sekretärinnen verhalten. Je weniger eine Unternehmung sich bewusst lebt und seine Werte achtet, desto mehr leben sich diese aus dem Schatten heraus und die Unternehmung erhält über den Markt ein entsprechendes Echo. Wie soll eine Unternehmung, die sich selbst nicht vertraut, also Echo vom Kunden Vertrauen ernten? In dem Maße, in dem es gelingt, CI und CC in Einklang zu bringen, gelingt ein authentischer Marktauftritt mit einem entsprechenden Echo.
Für jeden Unternehmenserfolg ist es daher wichtig, seine wirkliche UCVP zu kennen, insbesondere seine inneren Werte und Erfahrungen, denn sie regulieren das Unternehmen im Untergrund141 und sie bestimmen den Trend, der gleichzeitig der Lerninhalt ist.
125 im Gegensatz zum Strukturmodell Über-Ich – Ich – Es nach Sigmund Freud
126 DiCon – Dyers Consulting (www.dicon.eu)
127 vgl. DiCon - Diers Consulting: Neuromarketing, 2009
128 Roth, Gerhard: Hirnforschung - "90 Prozent sind unbewusst", 2002
129 in der Freudschen-Terminologie wäre das das Ich
130 von lat. angustus - Enge
131 Komik, Komödie kommen aus dem griech. von Koma – Schlaf. Wer lacht, wacht aus dem Schlaf auf.
132 Die Terminologie “individuelles Unterbewusstsein” basiert auf C. G. Jung. Freud nannte es das „Vorbewusstsein“
133 von lat. exmovere – sich heraus bewegen
134 Passieren bedeutet in diesem Zusammenhang: den Filter passieren und ins Bewusstsein gelangen.
135 ‘Paradox’ bezieht sich auf die paradoxe Logik der asiatischen Philosophie. Die westliche Logik beruht auf Aristoteles, wie auch unsere gesamte Wissenschaftstheorie. Das zweite Axiom der aristotelischen Logik besagt: Wenn sich zwei Aussagen widersprechen, muss mindestens eine der Aussagen falsch sein. Die paradoxe Logik besagt dagegen, dass Gegensätze zusammengehören und die Wahrheit erst gefunden ist, wenn man zu einer Aussage auch die gegensätzliche Aussage mit einbezieht.
136 von lat. persona - Maske
137 von lat. principium - Anfang, Ursprung
138 vgl. DiCon - Diers Consulting: Neuromarketing, 2009
139 Die Störung bzw. die Fehler sind ja Projektionen des Unternehmens und seiner Mitglieder und erhalten eine Information, die bislang fehlt.
140 vgl. DiCon - Diers Consulting: Neuromarketing, 2009
141 entsprechend dem Schatten nach C. G. Jung