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Bei der Entwicklung der SOLL-Konfiguration geht es um die Frage, wie die Ausbildungseinheit eine Grossbank dabei unterstützen kann, sich als Learning Communities zu entwickeln. Dabei ist «[e]ine Learning Community [...] eine Gruppe von Personen, die ein gemeinsames Ziel verbindet, zu dessen Erreichung das gemeinsame Lernen und Reflektieren von Lernprozessen eine zentrale Rolle einnimmt.»36 Eine zentrale Idee der Konfiguration ist, dass auch Banken solche Learning Communities sind, um auf den schnellen Wandel der Anforderungen u. a. von Kunden, Regulatoren und Aktionären angemessen und zeitnah reagieren zu können.37 Wissensmanagement muss als Teamarbeit verstanden und entsprechend gemanagt werden.38
BARNEY schreibt, dass Wissen dann insbesondere einen Wettbewerbsvorteil bringt, wenn es die folgenden 3 Kriterien erfüllt:
Bezieht man dies auf Banken, so kann ein Wettbewerbsvorteil über Wissen nicht allein auf ein konkretes Produkt, einen speziellen Marketingansatz oder die Verwendung einer speziellen Software bezogen sein. Vielmehr basiert dieser Wettbewerbsvorteil auf einer Wissens- und Informationsinfrastruktur, die es ermöglicht Wissen wirtschaftlich optimal nutzbar zu machen. Im Bankenumfeld bedeutet dies unter anderem den Kunden über die geeignetsten Produkte zu beraten, das Wissen nutzbringend für den Kunden einzusetzen oder den Kunden so zu unterstützen, dass er seine Ziele optimal umsetzen kann. Auf diese Weise sind Kunden gerne bereit für Dienstleistungen zu bezahlen und es können neue Kunden gewonnen werden. So wird das Wissen der Bankmitarbeiter wirksam und für die Bank zu einem wirtschaftlichen Schlüsselfaktor.
Wissensgeneration ist ein sozialer Prozess, der immer im konstanten Fluss und niemals beendet ist.40 BENKLER stellt fest, dass die Netzwerk-Informationen Ökonomie die Welt der industriellen Information ersetzt.41 Zusätzlich ermöglicht das Internet und auch das Intranet von Unternehmen freiwillige Arbeit zu einem deutlich höheren Grad als es früher der Fall war. Wie viele Open Source Entwicklungen zeigen, ist die Anerkennung durch eine Gemeinschaft (Peer Recognition) ein hoher Motivator für kreative Menschen. Sie erhöht die Identifikation der Mitarbeiter mit der Gemeinschaft. Wissensgeneration als sozialen Prozess zu fördern, ist auch für Grossbanken und deren Wettbewerbsfähigkeit zentral.42 Dies sollte auch ein wesentliches Ziel der Ausbildungseinheit sein. Basierend auf diesem Grundgedanken wird im Folgenden nun angelehnt an die Methodik des Integrierten Managements eine mögliche SOLL-Konfiguration für eine Ausbildungseinheit konzipiert. Als Vorbild dienen strukturelle Elemente von Wikipedia, denn im Management von Wissen ist Wikipedia führend. Wikipedia ist es gelungen innerhalb kurzer Zeit und mit relativ geringen Kosten eine bedeutende Wissensplattform zu formen. Ein hohes Nutzen-Kosten Verhältnis und hohe Relevanz sind ebenfalls Anforderungen, die an eine Ausbildungseinheit einer Grossbank gestellt werden. Deshalb sollen angemessene Vergleiche mit jener Struktur von Wikipedia gezogen werden, wie sie in der aktuellen Literatur beschrieben sind.43 Auf dieser Grundlage sollen praktisch erprobte Bezüge für die Konzeption der SOLL-Konfiguration hergestellt werden.
Bei Wikipedia beginnt der Prozess der Wissenssammlung und der Erstellung eines Artikels mit dem Erstellen einer ersten Artikelversion und der Erzeugung von verbundenen Templates, in denen Informationen und Veränderungswünsche mit Bezug zu diesem Artikel abgelegt werden können. Dann können alle Nutzer über einen unbestimmten Zeitraum diesen Artikel einsehen, kritisieren, editieren oder weiterentwickeln. Die Prägnanz, Aufbereitung und Genauigkeit des Artikels wird dann über den Peer-Review Prozess sukzessive verbessert. Dabei wird der Artikel ständiger sozialer Kontrolle ausgesetzt. Diese Kontrolle erfolgt durch die Wikipedia-Community. Ein wichtiges Argument für die Vorgehensweise von Wikipedia ist die hohe Effektivität von Open Source Communities, welche gerade in der Hervorbringung von Innovationen hohe Vorteile gegenüber abgeschlossenen Gemeinschaften aufweisen.44 Deshalb ist eine wichtige Idee für die Gestaltung der SOLL–Konfiguration der Frage nachzugehen, wie man die Generierung von Wissen für alle Mitarbeiter der Bank öffnen kann, anstatt die Generierung von Wissen nur bei einer relativ kleinen Ausbildungseinheiten zu belassen.
36 Vgl. (STOLLER-SCHAI, S. 112).
37 STOLLER-SCHAI beschreibt mit Bezug auf eine von WENGER veröffentlichte sozialwissenschaftliche Studie, dass es für den Aufbau einer Learning Community notwendig ist, die Motiv- und Interessenlage dieser Community zu analysieren. Vgl. (STOLLER-SCHAI, S. 111).
38 Vgl. (SCHÜTT, 2000).
39 Vgl. (BARNEY, 1991, S. 105 f.).
40 Vgl. (O‘SULLIVAN, 2012).
41 Vgl. (BENKLER, 2006).
42 Auch in Industriekonzernen wird dieser Gedanke zielgerichtet verfolgt. Ein Beispiel im Zusammenhang mit SAP ist das Hasso-Plattner-Institut und dessen openHPI Lernplattform.
43 Vgl. (O‘SULLIVAN, 2012) und (VIEGAS, 2007).
44 Vgl. (BENKLER Y. , 2002).