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Das EBIT drückt die Ertragskraft eines Unternehmens aus, der Cash Flow dagegen stellt die selbst erarbeiteten Finanzmittel des Unternehmens dar, die für die Gewinnausschüttung, für Investitionen ins Anlage- und Umlaufvermögen oder zur Schuldentilgung zur Verfügung stehen. Während das EBIT somit die entscheidende Größe für die Ermittlung der Rentabilität eines Unternehmens ist - ausgedrückt über die Kennzahlen ROS, ROI oder RONA – steht der Cash Flow für die Stabilität und Liquidität eines Unternehmens. Je höher der Cash Flow ist, desto unabhängiger ist das Unternehmen in der Finanzierung seiner Geschäftstätigkeit. Aus diesem Grund ist der Cash Flow die wichtigste Kennzahl für die Beurteilung der Selbstfinanzierungskraft.
Damit sind die beiden Kennzahlen nicht vergleichbar, stehen teilweise sogar im Wettbewerb zueinander, aber gleichzeitig besteht eine große Abhängigkeit zwischen ihnen, wenn es um das langfristige Überleben eines Unternehmens geht. Langfristig wird ein Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn es rentabel ist, d. h., die Anteilseigner eine gewisse Verzinsung auf ihr eingesetztes Kapital erhalten und bereit sind, dadurch dem Unternehmen Kapital zur Verfügung zu stellen. Auf der anderen Seite ist es unabdingbar aus eigenen Mitteln heraus leben und wachsen zu können, um sich damit unabhängig von Dritten und wirtschaftlichen Schwankungen zu machen, die u. a. erschwerte Bedingungen am Kapitalmarkt bedeuten.
Die Beeinflussbarkeit des EBITs im Rahmen der Bilanzpolitik ist je nach Sichtweise eine positive oder negative Charaktereigenschaft. Aus Sicht des externen Betrachters ist sie als Hindernis zu bezeichnen, da durch das gezielte Einsetzen von Stellhebeln die Transparenz über die eigentliche Geschäftsentwicklung verloren geht bzw. nur durch detailliertes Analysieren des Geschäftsberichtes teilweise möglich ist. Für das Unternehmen selbst bieten die Gestaltungsmöglichkeiten jedoch Chancen. Das verfolgte Ziel hierbei ist eine möglichst stabile Geschäftsentwicklung mit den Zielen Kontinuität, gleich bleibendes Wachstum und konstante Verzinsung über einen langen Zeitraum auszuweisen. Dies verkörpert nach außen Vertrauen, Souveränität und unternehmerische Fertigkeiten, was wiederum entscheidende Faktoren in der Gunst der Shareholder sind.
Nicht selten geht es in Konzernen darum, im Vergleich zu anderen Geschäftsbereichen erfolgreicher zu sein. ROS-Vergleiche oder die Messung nach der prozentualen Veränderung innerhalb eines bestimmten Zeitraums werden durchaus aus Eigeninteresse des jeweiligen Managements erstellt.
Der Cash Flow dagegen zeigt durch seine geringere Beeinflussbarkeit die reale und ungetrübte Unternehmenssituation. Aber auch hier ist in der Interpretation großer Augenmerk darauf zu legen, inwiefern der Cash Flow aus der operativen Geschäftstätigkeit resultiert oder durch Verzicht auf Investitionen, Gewinnausschüttungen oder Unterlassung von Schuldentilgung aufrechterhalten wird, was für das Primärziel einer Unternehmung, der langfristigen Sicherstellung der Geschäftstätigkeit, schädlich ist. Wie die Mittelflussrechnung zeigt, ist Cash Flow nicht gleich Cash Flow, sondern es bestehen mehrere Ebenen, die in der Analyse klar unterschieden werden müssen.
Des Weiteren ist es ratsam, in der Analyse der Kennzahlen nicht immer nur auf eine Periode zu schauen, sondern den Verlauf des EBITs oder Cash Flows über mehrere Berichtszeiträume zu verfolgen. Ein negativer Cash Flow in einer oder auch zwei aufeinander folgenden Perioden kann durchaus beabsichtigt und sinnvoll sein, wenn Investitionen in die Zukunft getätigt werden, weiterhin aber genug Liquidität für fällige Verpflichtungen zur Verfügung steht. Ebenso ist darauf zu achten, dass der Cash Flow bei schwankendem Forderungs- und Verbindlichkeitsbestand sehr stark nach oben oder unten ausschlägt. Je nach Zahlungstermin kann zu einem Berichtsstichtag z. B. ein hoher Bestand an Verbindlichkeiten bestehen, was sich positiv auf den Cash Flow auswirkt.
Ebenso bedeutet ein negativer EBIT nicht gleichzeitig das Aus für ein Unternehmen. Einmaleffekte oder eine angespannte wirtschaftliche Situation, wie sie aktuell herrscht, können durchaus zu einem negativen EBIT führen. Ist der EBIT-Rückgang durch einen temporären Einbruch des Absatzmarktes bedingt, ist die entscheidende Frage, wie lange die Durststrecke anhält und ob genug Liquidität zum Überstehen zur Verfügung steht. Meines Erachtens eignet sich der Cash Flow vor allem als kurzfristig orientierte Steuerungsgröße, da die Schwankungen im Nettoumlaufvermögen durchaus sehr groß sein können, was eine langfristige Planung deutlich erschwert. Darüber hinaus sagt der Cash Flow nichts über die Ertragskraft aus, wodurch das EBIT für langfristige Betrachtungen die geeignete Kennzahl ist. Wenn es um die Frage der Überlebensfähigkeit des Unternehmens geht, steht der Cash Flow im Vordergrund.