1.7 Systematik der Standortsuche
- Zur Untersuchung des Potentials eines Standortes sind im Prinzip zwei Aspekte zu überprüfen: Erstens müssen genau die Standortanforderungen definiert werden. Dies sind die speziellen, an eine Immobilie gestellten Anforderungen, die sich z.B. aus dem baulichen Einrichtungskonzept des Unternehmens ergeben. Zweitens sind am Ort vorgefundene Standortfaktoren zu bewerten, dies bezieht sich auf die Kaufkraftstruktur, die Verteilung von Zielgruppen, die Passanten bzw. Autofrequenz oder aber auch z.B. die Anzahl der Parkplätze.
- In der Regel sind es diese Standortfaktoren, nach denen sich eine Suche für geeignete Räumlichkeiten richtet. Berekoven spricht in diesem Zusammenhang von einer Makro- und von einer Microanalyse76, genauer ist die Darstellung von Oehme77, der die Suche nach passenden Standorten in drei Schritte teilt:
- Marktstrukturanalyse
Hierbei wird ein potentielles Absatzgebiet, also z.B. Nordrhein Westfalen in einzelne Bezirke eingeteilt, die dann einzeln auf ihr Potential hin untersucht werden (z.B. Kaufkraft, zentrale Orte, etc.)
- Standortnetzanalyse
In, durch eine Marktstrukturanalyse positiv bewerteten Bereichen, wird nun nach geeigneten Objekten gesucht. Zum Beispiel werden lokale Makler aufgefordert, entsprechend dem vom Einzelhändler beschriebenen Profil Angebote zu liefern.
- Punktuelle Standortanalyse
Bei diesem dritten Schritt werden die Mietobjekte auf Ihre Eignung und ihr Umsatzpotential hin überprüft. Dies bedeutet, dass für ein Objekt das Absatzgebiet und der zu erwartende Umsatz prognostiziert wird. Speziell dieser letzte Punkt ist bei der Standortsuche natürlich von entscheidender Bedeutung. Und genau hier setzt die eigentliche Standortanalyse an. Über die einzelhandelsrelevanten Determinanten eines Standortes wird im folgenden Kapitel noch ausführlicher gesprochen, doch haben sich in der Praxis einige Methoden zur Bestimmung des Umsatzpotentials eines Standortes herausgebildet. Zum einen hat sich die so genannte „Analogmethode78 als gängig erwiesen. Hier wird mit Hilfe bereits früher getroffener Standortentscheidungen eine Prognose für einen neuen Standort gemacht.
Eine andere Methode zur Standortanalyse und Umsatzschätzung ist das sogenannte Punkt-Bewertungs-Verfahren. Bei diesem Verfahren werden bestimmte Kriterien wie z.B. Kaufkraftstruktur, Frequenz, Mitbewerber, etc. für jeden speziellen Standort mit Punkten bewertet. Eine gewisse Nähe zum Analogverfahren ist darin zu sehen, dass die einzelnen Kriterien dann gewichtet werden und es in der Addition der Punkte zu einem Ergebnis kommt, dass entweder für oder gegen den Standort spricht. Dieses Verfahren ist insofern praktikabel, als das es hilft, sämtliche Aspekte zumindest annähernd quantitativ zu bewerten und so eine Objektivität zu erreichen!“
76 Erfolgreiches Handelsmarketing, L. Berekoven, 1995, S. 343
77 Handels-Marketing, W. Oehme, 2002, S. 88ff
78 nach Appelbaum, zitiert bei Liebmann im Handwörterbuch der Absatzwirtschaft