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Mit der Verkleinerung der europäischen Armeen wird auch das verwendete Wehrmaterial weniger. Bestimmte Anteile werden in Depots für eine spätere Verwendung eingelagert, während andere als Ersatzteillager (Kannibalisierung) dienen. Dennoch werden größere Mengen ohne Verwendung bleiben. Die Verteidigungsminister dieser Länder werden versuchen, durch den Verkauf an Drittländer zusätzliche Gelder in den schrumpfenden Haushalt einzubringen.
Meistens wird Material abgegeben, welches nicht dem modernsten Standard entspricht oder nicht die aktuellsten Modelle aus der Serie. Die Chancen für die Industrie besteht darin, dass dieses Wehrmaterial im Rahmen des Verkaufs/Exports auf den aktuellen Stand der Serie gebracht oder nach Kundenwünschen angepasst wird.
Ferner existiert in den Streitkräften der meisten Nationen sogenanntes ‚legacy material, welches sich auch im Rahmen von Retrofit-Programmen aufwerten lässt. Gerade die großen, sehr teuren Waffensysteme haben häufig eine Lebensdauer von 30 oder mehr Jahren und durchlaufen verschiedene Ausbau- und Erneuerungsstufen. Als Beispiel dienen hier der schwere amerikanische Bomber B52, der sich mittlerweile in der 8 Version im Einsatz befindet oder der deutsche Kampfpanzer Leopard 2, der von der Version A0 über die verschiedensten Zwischenschritte bei der Ausbaustufe A7 angekommen ist. Dabei besteht auch die Chance in zuvor verschlossene Märkte oder Bereiche dieser Märkte zu erlangen. Beispielhaft für dieses Vorgehen ist die Modernisierung der rumänischen MiG21-Kampfflugzeuge, welche russischer Herkunft sind, und deren Kampfwertsteigerung durch die Einrüstung israelischer Avionikkomponenten auf den Stand MiG21-LanceR durch ein israelisch-rumänisches Konsortium durchgeführt wurde.
Für viele westliche Truppen ergaben sich nach dem Ende des Kalten Krieges gänzlich neue Einsatzszenarien. Waren die Ausrüstung und das Material durch die Kalte-Krieg-Szenarioplanung auf den Einsatzschwerpunkt in der Nord-Westdeutschen Tiefebene mit dem mitteleuropäischen Klima ausgerichtet, offenbarten diese ihre Mängel, wenn es z.B. um UN-Einsätze in Afrika oder den NATO-Einsatz in Afghanistan ging. Die Systeme waren nicht für die dort herrschenden Klimabedingungen konzipiert und durch diese Einsatzerfahrungen wurden entsprechende Änderungen geplant und durchgeführt. Das bedeutete u.a. die Montage z.B. von Staubfiltern für die Motoren und leistungsstärkere Klimaanlagen, um die Belastung für die Besatzungen zu vermindern.
Weiterhin entstehen mit dem Klimawandel neue Aufgaben- und Betätigungsfelder. Mit der Klimaerwärmung und den längeren eisfreien Zeiten im hohen Norden wird die Verwendung der Nord-West-Passage für die kommerzielle Schifffahrt immer wahrscheinlicher und die in der Arktis vermuteten Rohstoffe geraten ebenfalls in das Visier der Anrainernationen. Die Flotten Kanadas und der USA haben zu den bereits vorhandenen Eisbrechern mit der Umrüstung von weiteren Patrouillenbooten begonnen, um ihre Präsenz in den Regionen zu erhöhen. Weiterhin wurden neue Patrouillenboote für die Marinen und Küstenwachen in die Planung aufgenommen, um somit dauerhaft in diesen Bereichen einsatzbereit zu sein und diesem Rennen Rechnung zu tragen. Ferner erforderlich ist auch Arktis-Ausrüstung für die Fahrzeuge, Flugzeuge und das Personal, welche auf den angedachten Außenposten stationiert werden sollen. Daraus ergibt sich ein vielschichtiges Auftragspotential für die Industrie.
Neue Materialen und Techniken sorgen zusammen mit den bereits gemachten Erfahrungen für erweiterte Unterstützungsmöglichkeiten vor Ort. So können inzwischen im Rahmen des BDR (Battle-Damage-Repair) Schäden im Einsatzland repariert werden, die vorher eine Rückverfrachtung des Materials in ein Werk oder Depot im Heimatland erforderlich machte. Darüber hinaus wurden auch Spezialwartungscontainer entwickelt, die den entsprechenden Klimaregionen angepasst sind. Als Beispiel sind Triebwerkwartungscontainer zu nennen, die mit entsprechendem Überdruck und Versiegelung umfangreichere Wartungsaufgaben in der sandigen und staubhaltigen Umgebung in Afghanistan ermöglichen.70 Dieses Konzept ist auch für weitere Bereiche vorstellbar und bietet den Herstellern und Unterstützern neue Möglichkeiten.
70 (Careless, 2012), (Schreyögg, 2012)