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Mit dem technologischen Fortschritt und der Änderung der Einsatzszenarien ergeben sich neue Aufgaben für die Streitkräfte. Werden diese jetzt in eine bewaffnete Auseinandersetzung geschickt, benötigen sie für die Erlangung der eigenen Ziele bestimmte Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten reichen von Aufklärungsmitteln über Transport- und Verlegemöglichkeiten bis zu den Kampftruppen, die das Ziel letztendlich durchsetzen sollen. Im NATO Rahmen lässt sich das gesamte Spektrum durch die entsprechenden Beiträge der Mitgliedsstaaten abdecken. Der im Rahmen der Operation Unified Protector in Libyen geführte NATO Einsatz, der von den EU-Staaten angeführt wurde und die USA in einer Unterstützerrolle sah, zeigte aber schonungslos die Lücken der europäischen Armeen auf.
Der permanente Einsatz von Abwurfpräzisionswaffen hatte durchschlagende Wirkung auf die Möglichkeiten der libyschen Truppen, aber die Vorräte an diesen Munitionsarten waren innerhalb der ersten 3 Monate nahezu aufgebraucht. Ferner konnte durch diese Staaten nicht genug Personal für das NATO Air Operations Center bereitgestellt werden. Dieses ist für die Koordination von mehr als 300 Flugmissionen pro Tag ausgelegt, hatte aber im Rahmen der Libyen-Mission Probleme auf einen Schnitt von 150 Angriffsflügen pro Tag zu kommen.73
Weitere Mängel traten zum Vorschein als die USA ihre Angriffsflugzeuge nach dem Ausschalten der libyschen Luftabwehr zurückzogen und somit nun weniger Angriffsoperationen geflogen werden konnten, da schlichtweg nicht mehr genug Flugzeuge zur Verfügung standen. Ferner wurden sehr große Lücken im Fähigkeitsspektrum im Bereich ISR (Intelligence, Surveillance and Reconnaicance) und C2 (Command and control) offenkundig, weswegen man auf die permanente Unterstützung durch US-Missionsflugzeuge vom Typ JSTARS (joint surveillance target attack radar system) und AWACS (airborne warning and control systems) angewiesen war.7475
Problematisch ist auch die Verfügbarkeit von Tankflugzeugen, bei denen die USA während des gesamten Einsatzes knapp 3⁄4 dieser Flugzeuge stellten. Laut Aussage des Pentagons summierten sich diese Hilfeleistungen, ohne die ein zügiges Ende des Einsatzes sehr viel schwieriger geworden wäre, auf knapp 221.9Mio$.76
Wenn man jetzt noch den Einsatz in Afghanistan hinzubezieht, dann kommen noch weitere Problemfelder hinzu. Da wäre der Mangel unter anderem an strategischen Transportflugzeugen, Satellitenkommunikation, Flugzeuge für die Close-Air-Support-Rolle, Transport- sowie Kampfhubschrauber und CSAR-Fähigkeit (Combat Search and Rescue, Einsätze bei denen Personal aus einer Kampfzone per Hubschrauber ausgeflogen wird).77
Einige dieser Mängel entstanden, da viele Staaten ihren Verteidigungshaushalt umschichten mussten, um die Einsätze in Afghanistan und Irak vorbereiten und finanzieren zu können. Somit standen noch weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, um benötigte Neuanschaffungen zu tätigen.78
Um diese gesamte Mängelliste abstellen zu können, und somit die EU-Staaten unabhängiger von US-Unterstützung zu machen, werden im europäischen Rahmen enorme Neuanschaffungen notwendig. Mit der US-amerikanischen Interessenverschiebung hin zum arabisch-asiatischen Raum wird eine gemeinsame europäische Beschaffungsinitiative zur Schließung dieser Fähigkeitslücken notwendiger denn je zuvor. Da dieses ein sehr umfangreiches Beschaffungsprogramm darstellt, entsteht hieraus ein großes Potential für die europäische Rüstungsindustrie, die Teile dieser Ausrüstung bereits im Angebot hat (z.B. Tankflugzeuge) oder andere noch entwickeln müsste.
73 (Gates, 2011)
74 (The International Institute For Strategic Studies, September 2011)
75 (Siebert MdB, 2012)
76 (Stewart, 2011)
77 (Tigner, Interview with General Håkan Syrén, 2012)
78 (Gates, 2011)