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Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Art der Kriegs- bzw. Konfliktführung. Einsatzszenarien umfassen Strategie, die Mittel der militärischen Konfliktführung als auch die Regeln, nach denen die Auseinandersetzung geführt wird. Diese Faktoren haben sich im Laufe der Geschichte weiterentwickelt bzw. haben sich an die globalen Gegebenheiten, Technologie und Gesellschaften angepasst. Die anfänglichen Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Individuen um z.B. Nahrungsmittel wichen größeren Konflikten zwischen verschiedenen Parteien um Einfluss und Macht und gipfelten in globalen Vernichtungskriegen zwischen Nationalstaaten mit verschiedenen politischen Weltanschauungen bzw. dem Kalten Krieg, bei dem sich weltumspannende Machtblöcke mit gegensätzlichen Systemansichten gegenüber standen.71
Die Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung während dieser Kriege veränderte sich ebenfalls. Die durchziehenden Truppen versorgten sich während ihrer Feldzüge aus der Umgebung und teilweise wurde auch das Eigentum geplündert bzw. die gesamte Region gebrandschatzt (neg. Beispiel die Söldnergruppen während des 30 jährigen Krieges). Im weiteren Verlaufe wurden von den Truppen eigene Versorgungseinheiten aufgebaut, damit eine unabhängige Grundversorgung (gerade von Munition und Ausrüstung) sichergestellt war, und endet in der heutigen Zeit, in der nahezu alles antransportiert sowie vor Ort erworben wird und das Requirieren aus der Bevölkerung überflüssig macht.72 Dies spiegelt auch den Trend in der westlichen Politik / Gesellschaft wieder, der zufolge unnötige zivile Verluste während der Kampfhandlungen als auch die Belastung durch die Anwesenheit der Truppen zu minimieren bzw. zu vermeiden sind. („Winning hearts and minds“)
Betrachtet man die Kriege, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges geführt wurden, stellt man schnell fest, dass die Anzahl der zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen stetig zurückgegangen ist. Spätestens seit dem auch der Kalte Krieg der Vergangenheit angehört, wird deutlich, dass die großen zwischenstaatlichen Kriege nicht stattgefunden haben und an deren Stelle regionale Konflikte, Bürgerkriege oder sogenannte ‚Low Intensity‘- Auseinandersetzungen getreten sind. Dabei zog meistens eine hochgerüstete Nation oder Allianz gegen einen militärisch unterlegenen Gegner zu Felde und konnte normalerweise zügig Erfolge und Geländegewinne aufweisen.
Voraussetzung waren initiale Luftschläge und absolute Lufthoheit, die den vorrückenden Bodentruppen jederzeit unterstützende Angriffe ermöglichte. Danach sah sich der ursprünglich vermeintliche Sieger aber den Gegenschlägen von Rebellengruppen und Aufständischen ausgesetzt, die sich innerhalb der Bevölkerung bewegen und das Gelände durch Ortskenntnis zu ihrem Vorteil ausnutzen. Als Beispiel sind hier die Konflikte im Irak und Afghanistan zu nennen, so wie die soeben erfolgte Intervention Frankreichs in Mali. Erschwerenderweise sind häufig Gruppen eingebunden, die nicht nur den ‚Invasor‘ bekämpfen, sondern aus z.B. religiösen Gründen den Staat bzw. seine Gesellschaft in der jetzigen Form ablehnen und ihn ebenfalls als Gegner haben.
Die Problematik dieser Art der Kriegsführung ist, dass der Feind sich innerhalb der Bevölkerung bewegt und übermäßige zivilen Verluste in der eigenen westlich geprägten Gesellschaftlich als nicht akzeptabel angesehen werden. Es wird somit eine ‚saubere, klinische Kriegsführung‘ gefordert, die nach Möglichkeit nur den Gegner ausschaltet und die Verluste innerhalb der eigene Truppen und an Unbeteiligten nicht vorhanden bis minimal sind. Dadurch können die teuren High-Tech-Produkte wie Kampfflugzeuge oder schwere Kampfpanzer nur unterstützend und nicht mehr als Schwerpunkt oder Hauptangriffswaffe verwendet werden. Der Infanterist steht wieder im Mittelpunkt der Auseinandersetzung, kann aber auf ein vielfältiges Sortiment an Unterstützungsleistungen wie z.B. Aufklärung und Präzisionswaffen zurückgreifen.
Aus diesen geänderten Rahmenbedingen ergeben sich neue Möglichkeiten für die Rüstungsindustrie. Die Flächenwirkungswaffen, die für eine potentielle Ost-West-Konfrontation entwickelt wurden, werden durch Präzisionswaffen und Kleinstmunition ersetzt. Erkennbar ist dies z.B. an der Anzahl an Laser-Guidedoder GPS-Gesteuerten Bomben und Raketen die zum Einsatz kamen sowie der Entwicklung der Small-Diameter-Bomb in den USA. Dieser Trend gibt gerade Elektronik- oder Avionik-Unternehmen die Chance, sich dort zu betätigen, was sich aber nicht nur auf die Herstellung und Entwicklung der Wirkmittel beschränkt. Da diese Systeme eine sehr genaue Aufklärung und Situationsanalyse voraussetzen, entstehen im Bereich der Sensorik ebenfalls neue Aufgaben.
Diese Gefechte spielen sich darüber hinaus meistens in urbanem bebautem Gelände (Städte und Dörfer) ab, so dass dort auch andere Waffen benötigt werden. So wurden als Folge dessen bereits schultergestützte Raketenwerfer entwickelt, die sich innerhalb von Häusern abfeuern lassen, ohne den Schützen durch den Gasrückschlag zu gefährden oder Fahrzeuge mit Räumschilden und von Innenraum aus steuerbaren Waffenstationen ausgerüstet.
Da während dieser derzeitigen Einsatzszenarien der nicht offenen Kriege / Konflikte, in denen ein Teilnehmer technisch weit unterlegen ist, wird auch auf Hinterhalte und Sprengfallen ausgewichen. Diese Taktik hat zu hohen Verlusten unter den westlichen Truppen geführt und gleichzeitig den Bedarf nach einer neuen Art an geschützten Fahrzeugen und Hilfsmitteln zum Aufspüren und Entschärfen dieser IED (Improvised Explosive Device) geführt. Dieser Markt ist in ständiger Bewegung, da sich die Täter den neuen Abwehrmethoden ständig anpassen und zuvor effektive Mittel wie z.B. Funk-Störer gegen Fernauslöser teilweise ihre Wirkung verlieren. Auch Entschärfungshilfen wie Roboter, die die Bedrohung des Spezialisten verringern, stellen einen Wachstumsmarkt dar, besonders weil diese sich mit Abwandlungen auch für zivile Einsatzbereiche wie z.B. im Rahmen von Katastrophenhilfe nach Erdbeben einsetzen lassen.
Gerade da der einzelne Soldat wieder in den Fokus gerückt ist, bietet sich in seiner Ausstattung große Möglichkeiten. Beginnend mit der persönlichen Schutzausrüstung in Form der Schutzweste, des Gefechtshelms oder der Splitterschutzbrille, bei denen neue Materialien andere Schutzklassen oder durch modulare Bauweise Gewichtseinsparungen ermöglicht werden, über bessere Kommunikations- und Führungsmittel bis hin zu mechanischen Tragehilfen, die das immer höhere Gewicht der individuellen Ausrüstung vermindern.
Besonders diese Veränderungen in Bezug auf den Soldaten bieten Chancen für kleine und mittelständische Unternehmen, da es sich dabei nicht um milliardenschwere Programme handelt und man auch mit verhältnismäßig geringem finanziellen Aufwand und hohem Erfindergeist eine Produktverbesserung bzw. neue Nische besetzen kann.
71 (Van Creveld, The Changing Face of War, 2007)
72 (Van Creveld, Supplying War: Logistics from Wallenstein to Patton, 2004)