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Vor etwa 30 Jahren begann sich Prof. Frederic Vester gemeinsam mit seiner Studiengruppe für Biologie und Umwelt in München mit den Wirkungszusammenhängen in unserer Welt, der Biokybernetik sozialer und wirtschaftlicher Systeme, auseinander zu setzen. 1978 prägte er den Begriff „vernetztes Denken“. Im Mittelpunkt seiner wissenschaftlichen Untersuchungen stand die Wendung weg vom linearen Ursache-Wirkungs-Denken zum Blick auf vernetzte Relationen und Zusammenhänge. Erste analoge Anwendungen fand das Modell in Planungsansätzen in der Regionalplanung14 und Problemstellungen der Verkehrsplanung15. 1984 wurde das Verfahren in Deutschland mit dem Philip Morris Forschungspreis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten16 ausgezeichnet. In der Folge verbesserte Frederic Vester mit eigenen Mitteln und im Dialog mit Anwendern das Modell ständig methodisch und entwickelte es schließlich zum „Sensitivitätsmodell“, einem computerunterstützten Planungsinstrumentarium für komplexe Systeme. 17
Während sich herkömmliche Verfahren meist auf das Erfassen der zu untersuchenden Einzelobjekte beschränken, geht es im Sensitivitätsmodell um Wechselwirkungen und die Berücksichtigung weiterer, mit dem zu betrachtenden System vernetzter Lebensbereiche. Mit diesem kybernetischen Verfahren existiert die Möglichkeit, komplexe Systeme als Ganzes zu erfassen und zu bewerten. Durch eine ausgeklügelte Kombination von Untersuchungen und Darstellungen des betreffenden Systems wird die Reduktion der Komplexität auf wenige, aber relevante Schlüsselelemente (Variable) ermöglicht. Dann werden deren Empfindsamkeit auf innere und äußere Einflüsse untersucht und erfolgversprechende Ansatzpunkte für Veränderungen identifiziert.
Das Ergebnis der Untersuchungen besteht nicht in Prognosen der üblichen Art. Es nimmt Abschied von dem Brauch, Zukunftsszenarien mittels Trendhochrechnungen zu entwickeln oder das Eintreten von Ereignissen vorherzusagen, was in komplexen Systemen ohnehin nicht möglich ist.
Der Aufbau eines Sensitivitätsmodells wird in verschiedenen Stufen vorgenommen. Die einzelnen Arbeitsschritte werden nicht isoliert und einfach nacheinander bearbeitet, sie sind vielmehr rekursiv miteinander verbunden, d.h. spätere Arbeitsschritte ergänzen und korrigieren immer wieder die früheren (siehe Abbildung 4-1).

Abbildung 4–1: Rekursive Darstellung des Sensitivitätsmodells (Quelle: sbu GmbH München)
14 Vester (Ballungsgebiete in der Krise)
15 Vester (Ausfahrt Zukunft)
16 Wikipedia (Philip Morris Forschungspreis)
17 Vester (Die Kunst vernetzt zu denken) 185ff