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1.2 Systeme, systemisches Denken

Der Versuch, an dieser Stelle eine einheitliche, allgemeingültige und somit „richtige“ Definition für Systeme oder systemisches Denken anzubieten, wäre aus Sicht des Autors kein idealer Ansatz und würde dem „Wesen“ der Systemik und der dieser zugrunde liegenden konstruktivistischen Haltung widersprechen. Außerdem findet sich in den vielen Definitionsversuchen eine derartige Fülle an einzelnen Aspekten, dass eine einigermaßen vollständige Auflistung aller Details den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde. Es geht vielmehr um eine „brauchbare“ Beschreibung im Sinne einer für den Leser verständlichen Erklärung dessen, was in den beschriebenen Methoden „anders“ gemacht wurde.

Nachfolgend daher „pars pro toto“ eine Definition nach dem Heidelberger Zentrum für systemische Forschung und Beratung:3

Systeme sind Konstruktionen von Beobachtern (Menschen), die auf der Grundlage von Interessen und Zielen das bestimmen und von der Umwelt abgrenzen, was als System bezeichnet wird.

Systemtheorie ist eine Theorie über Theorien, eine Theorie darüber, wie Theorien Beobachtungen erzeugen und diese beschreiben. Systemtheorie ist keine Gegenstandstheorie, sondern eine „Meta-Theorie“, die es erlaubt, die Zieldienlichkeit unterschiedlicher Beschreibungen bezüglich ihrer Interventionsmöglichkeiten abzuschätzen.

Systemisches Denken gibt Antworten auf folgende Erfahrungen:

  • Viele Phänomene lassen sich nicht in Beschreibungen der tradierten Form (lineare Ursache-Wirkungsketten) begreifen; die Komplexität der Welt lässt sich nicht auf das Ursache-Wirkungs-Schema reduzieren.
  • (Lebende) Systeme reagieren auf Interventionen mit unvorhersehbaren und unerklärlichen Reaktionen, sie sind nicht berechenbar.
  • Lebende Systeme sind nicht-trivial, Input-Output-Relationen sind nichtlinear verknüpft.
  • Lebende Systeme sind autonom („eigengesetzlich“ – von auto = „selbst“ und nomos = „Gesetz“), das heißt, sie sind von außen (durch Umwelt, andere lebende Systeme) nicht instruierbar bzw. beherrschbar.
  • Beschreibungen wirken auf die Interaktionseinheit Beobachter – Objekt der Beobachtung zurück. Beobachtungen sind Interventionen.

Aus den obigen Beschreibungen ergeben sich folgende Eigenschaften von Systemen:

  • Irreduzibilität der Komplexität und Vernetztheit
  • Prinzipielle Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit
  • Selbstreferentialität
  • Nicht-Trivialität und Geschichtlichkeit
  • Autonomie, operative Geschlossenheit

Daraus formulieren sich folgende Grundannahmen systemischen Denkens und Handelns und damit auch der systemischen Beratung im Management-Kontext:

  • Eine beobachterunabhängige Wirklichkeit ist nicht zugänglich.
  • Erkennen vollzieht sich über Unterscheidungen (Grenzziehung).
  • Denken in Beziehungen: Man betrachtet nicht isolierte Phänomene (Entitäten, Individuen), sondern Wechselbeziehungen (Interaktionen) zwischen Phänomenen (Elementen, Individuen).
  • Denken in Kreisprozessen: Von linearen Ursache-Wirkungsketten zu zirkulären bzw. rekursiven Verknüpfungen. Verhaltensweisen bedingen sich wechselseitig. Selbstbezüglichkeit: Annahmen und Verhaltensweisen wirken auf sich zurück. Maxime: Blicke um Dich! Schau auf das Ganze!
  • Kontextualistisches Denken: Jedes menschliche Verhalten ist nur aus dem Kontext heraus zu verstehen, in dem es auftritt. Auch was im Inneren einer Person vorgeht, hat nur im Fluss der Interaktion Bedeutung.
  • Denken in Mustern: Wechselwirkendes Verhalten (Interaktion) gerinnt zu Mustern und zeigt sich Regeln unterworfen. Die Inhalte sind dabei häufig austauschbar.
  • Wirklich (und damit handlungsrelevant) ist, was Klienten für wirklich halten: Verhalten wird von den kognitiven Landkarten der Personen bzw. den Mitgliedern eines Systems bedingt. Der Veränderung von Grundannahmen und Interaktionsregeln kommt deswegen eine größere Bedeutung zu als intrapsychischen Prozessen.
  • Jede Person (jedes System) gestaltet ihre Situation mit: Die wechselseitige Vernetztheit der Verhaltensabläufe bedeutet nicht Aufhebung von Autonomie und Eigenverantwortlichkeit, sondern Mitverantwortung für die eigene Situation. Die Einstellung „vom Problemopfer zum Lösungstäter“ eröffnet die Möglichkeit der Veränderung.
  • Ressourcenorientierung: Personen (Systeme, Organisationen) haben in der Regel die Möglichkeit, ihre Probleme selbst zu lösen. Sie wissen häufig nicht, dass sie wissen.

In diesem definitionstheoretischen Kontext bewegen sich Methoden der Beratung und Prozessbegleitung, wie sie im Detail ab Kapitel 3 beschrieben werden. Jede einzelne Methode wird für sich genauer dargestellt werden; die prinzipiellen Grundlagen liegen aber jeweils in den o.a. Annahmen.

 

3 Fischer/Gester (Systemisches Denken) 2f