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5.5.1.2. Massnahmen

Bewertung der Kundenattraktivität

Im Allgemeinen muss das Ziel verfolgt werden, Mitarbeiter der Technik möglichst effektiv und effizient hinzuzuziehen und diese nicht mit vermeidbarer Arbeit zu belasten. Um dies zu erreichen, soll beim Prozessschritt ‚Quick-Kalkulation‘163 im Verkauf künftig die Kundenattraktivität bewertet werden. Diese Bewertung erfolgt nach strategischen sowie finanziellen Kriterien und soll dazu beitragen164, dass Mitarbeiter der Technik nicht unnötig beansprucht werden. Dadurch können vermehrt Anfragen anhand einer Quick-Kalkulation oder aber mit einer Absage beantwortet werden.

Bei einer aktuellen Offert-Erfolgsquote von 5 – 10% muss demnach die Vor-Evaluation der Kundenanfrage dazu beitragen, dass nur für strategisch attraktive und erfolgsversprechende Anfragen die Mitarbeiter der Technik konsultiert werden und deren Konsultations-Rate um bis zu 30% reduziert werden kann.

Befähigung der Verkaufsmitarbeiter

Die Tatsache, dass Mitarbeiter der Technik in hoher Frequenz von Verkaufs-Mitarbeitern konsultiert werden, ist auch auf unzureichende technische Kompetenz im Verkauf zurückzuführen. So verfügen lediglich zwei von insgesamt sechs Verkaufsmitarbeitern über eine technische Grundausbildung, davon einer als Giessereitechnologe. Nach dessen Pensionierung innert Jahresfrist wird sich diese Situation zusätzlich verschärfen.

Längerfristig muss deshalb die technische Kompetenz im Verkauf erhöht werden, indem einerseits die aktuelle Belegschaft fortlaufend intern geschult wird, andererseits vor allem durch eine langfristige Personalplanung, welche eine Weiterbildung in Marketing & Verkauf von technischen Mitarbeitern vorsieht, damit diese in Zukunft in die Verkaufsabteilung integriert werden können. Eine dadurch erhöhte technische Kompetenz in der Verkaufsabteilung würde sowohl den Verkaufsleiter entlasten, als auch überflüssige Rücksprachen und Machbarkeitsabklärungen in der AVOR minimieren können.

Einführung Workflow-Management

Um die Komplexität von Prozessen zu minimieren „hilft die Vereinheitlichung der Abläufe und Systeme sowie übergreifendes Workflow-Management“165. Ein ERP-gesteuertes Workflow-Management simuliert bzw. digitalisiert Prozesse und hilft dabei, Zeit und Geld einzusparen.166 Ein breit genutztes Workflow-Management ist in der GAG jedoch nicht vorhanden und wird daher in einigen Bereichen eingeführt werden. Die Implementierung eines Workflow-Managements erreicht nicht nur eine Verbesserung in Bezug auf Zeit und Kosten, sondern kann auch einen hohen Beitrag dazu leisten, die Abläufe transparenter zu machen und Verantwortlichkeiten besser zu definieren. Vor allem für den Ablauf von Erstmusteraufträgen und für die Erstellung von Auftragsbestätigungen kann ein klar definierter Workflow die Komplexität und den Koordinationsaufwand verringern: Als Prozessverantwortliche verfügen Verkaufsmitarbeiter über die nötige Information bzgl. Prozessstatus, erforderliche Informationen und Dokumente sind zentral abrufbar und jegliche Prozessschritte rückverfolgbar.

Weiter können elektronisch abgebildete Prozesse besser ausgewertet werden und so beispielsweise Prozessschwächen oder Engpässe schneller erkannt werden.

Organisatorische Massnahmen

Wie bereits erwähnt, erfordert der gesamte Prozess der Auftragsgewinnung eine gute Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Verkaufsabteilung und der Technik (AVOR und Engineering), sowie zwischen der AVOR und der Engineering-Abteilung. Dabei sind die Anforderungen meist sehr komplex und deren Erfüllung verlangt hohes Know-How und Erfahrung der beteiligten Mitarbeiter. Ordnet man diese Arbeit einer der von T.H. Davenport vier definierten Typen wissensbasierter
Arbeit zu (vgl. Abbildung 16), handelt es sich um „collaboration work“167. Entsprechend sind solche Prozesse schwierig zu standardisieren und kaum über ein reines Workflow-Management strukturierbar. „Instilling a customer orientation, and fostering a sense of urgency“168 sind hingegen Massnahmen, welche Abhilfe schaffen.

Abbildung 16: Die vier Arten von wissensbasierter Arbeit

Abbildung 16: Die vier Arten von wissensbasierter Arbeit169

Beide Massnahmen erfüllt die aktuelle Organisationsstruktur der GAG jedoch nicht: Aktuell betreut jeder der sechs Verkaufsmitarbeiter eine bestimmte Anzahl an Kunden, welche sich über die Jahre angesammelt hat. Ebenso sind in der Arbeitsvorbereitung sechs Mitarbeiter (fünf aus AVOR Gusstechnik, einer aus AVOR Zerspanungstechnik) mit der technischen Betreuung zugeteilter Kunden beauftragt. Die Kundenzuteilung in beiden Abteilungen erfolgte in der Vergangenheit jedoch weniger nach technischen oder erfahrungsabhängigen Kriterien, sondern vielmehr nach ressourcenbedingten Kriterien: Die Betreuung eines Neukunden übernahm derjenige Mitarbeiter, welcher die nötigen Kapazitäten aufweisen konnte.

Die Tatsache, dass dadurch in beiden Abteilungen eine jeweils individuelle Kundenbetreuungsstruktur besteht, vermag den von beiden Seiten beklagten enormen Koordinationsaufwand sowie fehlende Verantwortlichkeiten zu erklären.

Um diese Schwächen zu beheben, wird künftig eine auf Abbildung 17 dargestellte Organisationsstruktur eingeführt werden. Diese greift die Ideen von case-teams auf170, berücksichtigt jedoch die Ressourcen-Beschränkung in Bezug auf Spezialisten-Wissen und weiteren zentralen Stellen.

Abbildung 17: Kundenorientierte Struktur GAG

Abbildung 17: Kundenorientierte Struktur GAG171

Die neue Organisationsstruktur sieht vor, dass die Kundenzuteilung nicht mehr in den Abteilungen Verkauf und AVOR voneinander unabhängig vorgenommen werden, sondern stattdessen mehrere Teams gebildet werden, welche die Verantwortung für die komplette Kundenbetreuung übernehmen.172 Dies gilt bspw. für die Erstellung von Offerten, die Auftragsabwicklung von Erstmuster-Aufträgen oder die Bearbeitung von Kundenreklamationen. Jegliche Prozesse also, welche direkten Kundenkontakt erfordern. Die daraus entstehende ganzheitliche und integrative Bearbeitung von Vorgängen erhöht die Servicequalität und verringert Durchlaufzeiten.173 Weiter sind die internen Ansprechpersonen jeweils bekannt: Dadurch effizienter werdende Schnittstellen tragen dazu bei, die betriebliche Komplexität zu reduzieren.174

Mit der Bildung solcher Teams einhergehend ist ein Abbau von Hierarchie bzw. eine Erhöhung der Kompetenz und Verantwortung von Mitarbeitern.175 Einerseits führt dies zur Entlastung von Führungspersonen in der GAG, indem diese von zeitraubenden Koordinationsaufgaben befreit werden. Andererseits kann eine weitgehend autonom durchgeführte Team-Arbeit eine motivierende Wirkung haben.176 Eine grosse Verbesserung darf zudem von der neu definierten Kundenzuteilung erwartet werden. Diese soll nicht wie bis anhin mehr oder weniger zufällig geschehen, sondern nach Kundengruppen ausgerichtet sein. Eine solche kundengruppenorientierte Organisationsstruktur bringt einige Vorteile mit sich:

Klare Informations- und Kommunikationsstruktur: Die Ansprechpersonen sind jeweils bekannt, was den Such- und Koordinationsaufwand erheblich verringert. Dies reduziert die Komplexität der Kommunikationsstruktur, da sich aus kommunikationstheoretischer Sicht eine überschaubare Anzahl von Handlungsträgern positiv auf die Effizienz der Informations- und Kommunikationsprozesse auswirkt.177 Dies gilt sowohl für interne als auch für kundenbezogene (Kommunikations-)Prozesse.

Erhöhte Flexibilität und Autonomie: Der bisherige hohe Abstimmungsaufwand wird durch die Übertragung einer höheren Autonomie reduziert, was sich positiv auf die Gesamtkosten auswirken kann und auf Abbildung 18 illustriert wird. Zudem erhöht vergrössert die erhöhte Autonomie die Flexibilität bei Problemlösungsprozessen.

Abbildung 18: Zusammenhang zwischen Autonomie und Abstimmungskosten

Abbildung 18: Zusammenhang zwischen Autonomie und Abstimmungskosten178

  • Klare Verantwortlichkeiten: Die Übertragung klarer Verantwortlichkeiten auf die verschiedenen Teams erhöht die innerbetriebliche Transparenz und Rückverfolgbarkeit.
  • Lernende Organisation: Dem Unternehmen sollte es dank klarer Team-Strukturen leichter fallen, neues Wissen aufzubauen und dieses gewinnbringend zu nutzen. Dies einerseits in Bezug auf interne Prozesse, welche schnellem Wandel unterliegen und laufend überdacht und angepasst werden müssen.179 Andererseits sind solche Teams auch besser in der Lage, kundengruppen- und branchenspezifisches Wissen aufzubauen und auf sich ändernde Kundenbedürfnisse zu reagieren.

Die Einführung dieser Teams leistet also erheblichen Beitrag zu einer Erhöhung der Kundenorientierung, indem neben der strategischen auch eine „strukturelle Öffnung“180 vollzogen wird. Zudem wird dem erlebten Wachstum der GAG Rechnung getragen und „Einheiten kundenbezogener Informations- und Wissensbasis sowie Entscheidungskompetenzen“181 eingeführt, welche für eine kundenorientiertere Vertriebsstruktur stehen.

Indes wird es innerhalb des Unternehmens weiterhin zentrale Stellen geben, welche fachspezifisches Wissen erfordern und bei Bedarf hinzugezogen werden können. Diese zentralen Stellen - wie das Engineering, die Qualitätssicherung oder die Auftragsplanung - weisen Charakteristika von Kompetenz-Centern auf, welche dazu beitragen, „Kernkompetenzen, die segmentübergreifend zur Anwendung kommen, auszubauen, zu sichern und Synergien zu nutzen182.

 

163 Bis anhin werden Anfragen von Produkten, welche (in ähnlicher Form) bereits Teil des Lieferprogramms sind, anhand einer Quick-Kalkulation beantwortet.
164 Im Zuge einer Seminararbeit ‚Key Account Management‘ entwickelte der Autor bereits ein spezifisch auf die GAG angepasstes Bewertungs-Vorgehen, welches für diesen Zweck verwendet werden kann.
165 Österle (2007), S. 74.
166 Vgl. Ouyang / Adams et. al. (2010), S. 388.
167 Davenport (2010), S. 21.
168 ebd.
169 Quelle: Davenport (2010), S. 20.
170 Vgl. Kap. 3.4.2
171 Quelle: Verfasser
172 s. Anhang I für Zusammensetzung der Teams
173 Vgl. Gaitanides (2007), S. 52.
174 Vgl. Suter (2004), S. 72.
175 Vgl. Hammer / Champy (1993), S. 53.
176 Vgl. Bea / Göbel (2010), S. 398.
177 Vgl. Picot / Reichwald / Wigand (2003), S. 265.
178 Quelle: Emery (1969), S. 31.
179 Vgl. Bleicher (1991), S. 63.
180 Bleicher (2011), S. 319.
181 Frese (2005), S. 372
182 Wildemann (1992), S. 56.